FÉG PA-63

FÉG PA-63

Die von FÉG gefertigte Selbstladepistole PA-63 ist keine Unbekannte. Ist sie doch seit den frühen 90er Jahren weit verbreitet und bis heute günstig auf dem Surplusmarkt zu erwerben. Dennoch ist die Wahrnehmung bezüglich dieser Waffe und ihrer Genesis häufig verzerrt oder gar falsch. Bei der PA-63 handelt es sich nicht einfach um einen modifizierten Makarov Klone. Der Ursprung der Konstruktion liegt vielmehr in der Mitte der 40er Jahren und ist Teil einer Evolution, welche in der vorliegenden Dienstpistole endete.

Die ungarische Polizei sah sich nach Ende des zweiten Weltkrieges mit einer ungünstigen Lage konfrontiert. Während die Streitkräfte zunehmend aus der Sowjetunion Material erhielten und die Vereinheitlichung der Pistolenbewaffnung absehbar war, so versah der Streifenpolizist oder auch Kriminalbeamte immer noch mit einem Sammelsurium aus verschiedensten Waffen, welche teilweise noch aus dem ersten Weltkrieg stammten, seinen Dienst. Daher entschied das ungarische Innenministerium 1946 auf Basis der Walther PP eine Entwicklung für eine einheitliche, moderne Dienstpistole im Kaliber 7,65x17mm auszuschreiben. Federführend bei der Konstruktion war Lajos Elödy, welcher die Grundkonstruktion nur minimal veränderte. Die meisten Walther PP Teile blieben kompatibel mit der als Rendörségi Pisztoly 48.M bezeichnete Pistole. Auch die Verwendung von Magazinen aus Walther Fertigung stellte kein Hindernis dar. Ab 1948, also ein Jahr vor Fertigungsbegin der Makarov PM, begann die Produktion der etwa 22.000 Stück für die Ausstattung der polizeilichen Kräfte. Ab 1950 schwenkte die Fertigung auf den Export um. So gingen unter anderem 10.000 Pistolen nach Ägypten, welche allerdings in .380 ACP ausgeführt wurden. Die Ingenieure bei FÉG hatten damit bewiesen, dass sie eine kompakte, moderne und im Kaliber skalierbare Selbstladepistole entwerfen und auch in Großserie fertigen konnten, wenn auch der Ursprung immer noch die Walther PP blieb.

1958 veränderte die ungarische Polizei Ihren Anforderungskatalog. Neben der Reduzierung des Gewichtes sollte auch die im Ostblock immer dominierender werdende Patrone 9x18mm Makarov Einzug halten. Die Konstrukteure bei FÉG reagierten auf diese Anforderung mit der Entwicklung einer Pistole mit Aluminiumgriffstück auf Grundlage der 48.M. Dieser als RK-59 bekannt gewordene Entwurf erlebte nur eine kurze Karriere und wurde lediglich wenige Monate gefertigt. Das Aluminiumgriffstück erwies sich als zu schwach um den Impuls der Makarov Patrone dauerhaft zu verdauen.

Direkter Vergleich FÉG PA-63 und die Makarov Pistole: Bei genauer Betrachtung wird schnell klar, dass der Ausgangspunkt identisch ist, beide Konstruktionen aber einen anderen Weg beschritten und nur das Kaliber gemeinsam haben.

FÉG investierte daraufhin zwei Jahre in die Grundlagenforschung und präsentierte 1961 eine Pistole mit einem Titan-Aluminium Griffstück und modifizierten, den Verschleiß reduzierenden Verschlussbahnen. Die als R-61 bezeichnete Pistole gilt bis heute als erste Konstruktion, welche erfolgreich ein Aluminiumgriffstück implementierte. Die Geschichte wäre hier auch zu Ende, wenn nicht fast zeitgleich das ungarische Militär den Bedarf formuliert hätte, die zunehmend betagten Tokarev Pistolen abzulösen. Die R-61 erschien als idealer Ausgangspunkt, auch wenn die Militärs zwei Punkte bemängelten. Die Lauflänge der R-61 entsprach der einer kompakten Dienstpistole, schöpfte aber nicht das gesamte, ballistische Potenzial der Makarov Patrone aus, jedenfalls wurde das so empfunden. Überraschenderweise interessierte niemanden, dass auch die Makarov Pistole nur mit einer Lauflänge von 93mm aufwartete. Auch die Magazinkapazität wurde als zu gering erachtet. Die 1963 in die Fertigung gehende PA-63 war also nichts anderes als eine logische Fortsetzung einer bereits seit fast zwei Jahrzehnten bestehenden Entwicklung und ein Kompromiss zwischen den Anforderungen der Polizei und des Militärs. So wurde die Magazinkapazität minimal um 1 Patrone erweitert und die Lauflänge von 85mm auf 100mm verlängert. Die Fertigung der R-61 lief aus und die Standardbewaffnung der Polizei und der Streitkräfte war für die nächsten Jahrzehnte festgelegt.

Trotz zahlreicher Beschaffungen wie der Jericho 941 oder der HK USP ist die PA-63 mit ihrem nur als Verwahrtasche zu bezeichnenden Holster immer noch eingeschränkt im Dienst.

Die PA-63 kann ihre Herkunft nicht verleugnen. Sie ist sowohl intern als auch extern ein Walther PP Klone, also ein reinrassiger Rückstoßlader mit festem Lauf und Feder-Masse-Verschluss. Übernommen wurde auch die von Walther entwickelte Schlagbolzensperre, die beim Sichern der vorgespannten Waffe den Hahn nach vorne führt, ohne das ein Schuss ausgelöst wird. Ein weiterer Unterschied zu der Makarov ist der Umstand, dass sich die PA-63 auch im gesicherten Zustand fertigladen lässt, sowie das genau umgekehrt ausgelegte Sicherungssetup. Steht der Sicherungshebel parallel zum Lauf und ist die rote Markierung sichtbar, so ist die Waffe entladen. Drückt man den Sicherungshebel nach unten, ist die Waffe gesichert.

In den frühen 80er Jahren entstand eine Übungsvariante der PA-63 aus Kunststoff. Sie diente zuerst den Spezialkräften des Militärs zum Üben von  Entwaffnungstechniken. Um die Verletzungsgefahr zu reduzieren, wurde der Abzugsbügel weggelassen. Erst später erhielt die Polizei solche Übungswaffen zum Handhabungstraining.

Der nicht vorgespannte Abzug ist auch für leidgeprüfte Double Action Only Schützen geradezu obszön schwer. Dafür löst die PA-63 Single Action überraschend trocken und definiert aus. Eines der wesentlichen Kritikpunkte ist die äußerst filigrane Visierung, welche bei schwierigen Lichtverhältnissen kaum nutzbar ist. Wie schon bei den Vorgängermodellen 48.M und R-61 ist der Magazinlöser als Druckknopf an der linken Griffstückseite ausgelegt. Die Einreihigen, 7+1 Patronen aufnehmenden Magazine fallen nicht frei, werden allerdings deutlich nach unten ausgestoßen, sodass man sie leicht ausziehen kann. Über einen extern zu bedienenden Schlittenfanghebel verfügt die PA-63 nicht. Der Zuführer des Magazins drückt nach dem letzten Schuss eine federgelagerte Klinke aus dem Griffstück nach oben, welche den Schlitte fängt. Zum erneuten fertigladen muss dieser ergriffen und nach hinten geführt werden. Zerlegt wird die PA-63 genauso wie die ursprüngliche Walther Pistolen. Nach der obligatorischen Sicherheitsüberprüfung wird der Abzugbügel nach unten gezogen und mit dem Zeigefinger zur Seite geschoben. Nun kann der Schlitten nach hinten gezogen und angehoben werden. Anschließend wird er nach vorne geführt und abgenommen sobald der Lauf ihn frei gibt. Beim Ausbau des internen Schlittenfanges ist Vorsicht geboten. Die Feder ist nur eingesetzt und  eines der häufigsten Verlustteile bei der Pistole. Beim Zusammensetzen der Pistole ist drauf zu achten, dass die Verschlussfeder richtig herum auf den Lauf kommt. Dabei ist die engere Öffnung zuerst zu wählen, sodass die Feder von alleine auf dem Lauf bleibt. Ein verkehrt herum erfolgter Einbau kann zu Ausziehstörungen führen.
Die PA-63 errang auch bald das Interesse der DDR. Dort benötigte man eine Ablösung für die in die Jahre gekommenen Waltherpistolen, welche kaum noch mit Ersatzteilen versorget werden konnten. Kurioserweise entschied das Ministerium für Staatssicherheit sich nicht für die bereits bei der NVA eingeführte Makarov. Unter der Bezeichnung AP-9 wurden ab 1972 insgesamt 30.000 Pistolen in den Bestand des MfS übernommen und blieben dort bis 1987 Teil der Strukturbewaffnung. Einziger Unterschied zu der PA-63 stellte neben der angepassten Markierung das schwarz eloxierte Griffstück dar, sowie die zumeist fehlende Daumenauflage auf der linken Griffstückseite.

Die letzten PA-63 wurden beim ungarischen Militär bereits Mitte der 90er Jahre ersetzt. Im polizeilichen Kontext sieht es allerdings anders aus. Bis heute ist der bereits antiquiert anmutende Rückstoßlader bei ländlichen Polizeidienststellen und so manchem zivil tätigen Beamten noch im Holster vorzufinden. Mit der Einführung der CZ P 09 als neue Dienstpistole der ungarischen Polizei sind wohl auch die Tage dieser letzen Veteranen endgültig gezählt.

Technische Daten:

Gewicht: 595g (ungeladen)

Lauflänge: 100mm

Gesamtlänge: 175mm

Kaliber: 9x18mm Makarov

Verschlussprinzip:  Feder-Masseverschluss

Magazinkapazität: 7+1 Patronen

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