PSM (Pistolet Samosarjadnij Malogabaritnij)

PSM (Pistolet Samosarjadnij Malogabaritnij)

Die Selbstladepistolen des ehemaligen Ostblocks verdienen deutlich mehr Aufmerksamkeit. Alleine durch die schiere Masse der gefertigten Exemplare ist eine Betrachtung nicht nur interessant, sondern auch auf die nächsten Jahrzehnte sinnvoll und logisch. Heute wollen wir uns der Selbstladepistole PSM (Pistolet Samosarjadnij Malogabaritnij) was nichts anderes als Kleine Selbstladepistole bedeutet zuwenden. Der Name ist auf jeden Fall Programm, handelt es sich doch bei der PSM um eine klassische Taschenpistole. Spannend ist in diesem Zusammenhang die Entstehung Ende der 70er Jahre. In der damaligen Sowjetunion gab es natürlich keinen Zivilmarkt für solch ein Erzeugnis und die Zielgruppen waren neben Kräften des Innenministeriums Kader der Kommunistischen Partei und hohe Offiziere, welche Wert auf eine diskret zu führende Faustfeuerwaffe legten, diese aber häufig eher als Statussymbol den als tatsächliche Waffe ansahen.

Nachdem der offenkundige Bedarf an höchster Stelle erkannt worden war, entstand auf Basis der Weisung Nr. 277 des Ministerrates der Sowjetunion vom 10. November 1970 ein Anforderungsdokument. Zwischen 1971 und 1972 setzte das Konstruktionsbüro ZKIB SOO in Tula diese Weisung in ein konkretes Muster um, sodass die PSM Ende 1972 offiziell eingeführt werden konnte.  Der bereits erwähnte, deutliche Statusbezug und die Verbreitung in den Führungskreisen der Sowjetunion und einiger ihrer Satellitenstaaten erfuhr mit den immer komplexeren Präsentboxen und zunehmend aufwendig ausgeführten Gravuren Ende der 80er Jahr ihren Höhepunkt.

PSM in Präsentboxen.

Ab 1984 wurde die PSM auch in der DDR eingeführt. Die Umstände der Beschaffung und Verwendung sind aber bis heute wenig beleuchtet. Anstelle einer Dienstvorschrift wurde nur ein “Merkblatt für den Umgang mit der 5,45-mm-Pistole PSM” mit der Nummer 000806 Anfang 1984 herausgegeben. Dabei wurden die Waffen dem Ministerium des Inneren übergeben. Die Ausbildung führt die Volkspolizei durch. Empfänger der Pistolen waren jedoch zumeist Offiziere im Generalsrang und zunehmend Kader der SED und FDJ von Kreisebene aufwärts, welche die Pistole zum Selbstschutz führten. Aus diesen Beständen gelangen nach der Wiedervereinigung einige Pistolen als nicht mehr benötigter Überbestand auf den Zivilmarkt.

Die vorliegende, schlicht ausgeführte Serienwaffe aus der Fertigung in Ischewsk ist mit einer der angesprochenen Präsentkiste versehen. Diese nahm neben einem Ersatzmagazin und der Pistole noch ein kleines Päckchen Munition auf. Das Konstruktionskollektiv reduzierte die PSM in allen Dimensionen auf das absolute Minimum. Die äußerst schmale 5,45x18mm Patrone und die Ausführung mit einem einreihigen Magazin erlaubte dabei eine überraschend schlanke Bauweise(Weitere Details zu der Patrone finden sich in diesem  Blogbeitrag). So ist die Pistole an der breitesten Stelle, der Sicherung gerade einmal 21mm breit. Ansonsten ist an der Pistole nichts Revolutionäres zu erkennen. Die PSM ist ausgeführt als Rückstoßlader mit klassischem Feder-Masse Verschluss, quasi eine verkleinerte und an das Kaliber angepasste Makarov. Wer diese oder ihren Urvater, die Walther PP kennt, wird sich mit der PSM ebenfalls schnell zurecht finden. Bedienung und das Zerlegen und Zusammensetzen sind analog. Verschluss und Lauf sind selbstverständlich aus Stahl gefertigt. Beim Griffstück bediente man sich allerdings eines Leichtmetalls.

Im Schuss überrascht die PSM durch eine gute Handlage, trotz der kleinen Bemaßung. Der Rückstoß wirkt bei den leichten Geschossen eher wie eine stramm geladene .22lfb und der starre Lauf produziert zuweilen eine bemerkenswerte Präzision.

PSM im zerlegten Zustand

Die kleine Pistole ist trotz ihrer bescheidenen, terminalballistischen Leistung seit 2008 in Deutschland verboten. Grund hierfür ist die hohe Durchschlagsleistung der 5,45x18mm Munition bei Aramid Weichköperschutz im Nahbereich. Entworfen wurde die Patrone, wie fast alle bekannten Patronen der Nachkriegszeit der Sowjetunion im 1944 gegründeten Zentralen Forschungsinstitut für Präzisionsmechanik (TsNIITochMash) in Klimovsk. Die hohe Durchschlagsleistung wird, ähnlich wie bei der Tokarev Patrone, durch eine Auslegung als Flaschenhalspatrone erzielt. Dabei verjüngt sich die Hülse von 6mm auf 5,8mm. Die wahlweise als Blei- oder Stahlkern ausgeführten Geschosse haben eine äußerst geringe E0 von um die 120J, je nach Laborierung.

Durch das Verbot in der Bundesrepublik ist die PSM nur noch in wenigen Behördensammlungen anzutreffen. Die geringe ballistische Leistung hat einen kommerziellen Erfolg nach dem Ende der Sowjetunion nicht gerade positiv beeinflusst. Dennoch ist die Pistole in großen Stückzahlen gefertigt worden und in zahlreichen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion bis heute in Nutzung.

Technische Daten:

Gewicht: 472g (ungeladen)

Lauflänge: 85mm

Gesamtlänge: 155mm

Gesamthöhe: 106mm

Kaliber: 5,45x18mm

Verschlussprinzip:  Feder-Masseverschluss

Magazinkapazität: 8 Patronen

 

Quellen:

Dieter H. Marschall, Die Faustfeuerwaffen der bewaffneten Organe der SBZ/DDR, Blaufelden, 2001

Ilya Shaydurov, Russische Schusswaffen – Typen, Technik, Daten, Stuttgart, 2010

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