Mehrzweckwerfer MZW 04

Mehrzweckwerfer MZW 04

Die exotische Feuerwaffe in diesem Artikel ist außerhalb der Schweiz kaum bekannt ist. Die heute als Mehrzweckwerfer MZW 04 bezeichnete Waffe begann ihre Karriere als Tränengaswerfer TW 73. Die zunehmenden Umwälzungen in der Gesellschaft und erstarkende Bewegungen, welche den Konflikt mit dem Staat auch auf der Straße suchten, erreichten Anfang der 70er Jahre auch die Schweiz. Diese reagierte darauf auch mit der Einführung neuer polizeilicher Einsatzmittel wie z.B. einem Tränengaswerfer als Distanzwaffe für die Polizei. Als Grundlage dienten die in große Menge vorhandener Karabiner K31 welche gekürzt und mit einer fest montiertem Abschussbecher versehen wurden. Die Schweiz konnte bei dieser Konstruktion auf bestehende Erfahrung mit den Wurfgranaten 43/44, 44 und 48 zurückgreifen, welche bereits Jahrzehnte vorher für den K31 entwickelt wurden.

Nach dem Kürzen der Läufe wurde ein Abschussbecher verbaut, welcher drehbar ausgestaltet ist. Dies ermöglicht die Einstellung der Schussentfernung. Dabei wird nicht über ein Leitervisier der Abgangswinkel verändert sondern mehr oder weniger viele Entlastungslöcher freigegeben, welche den Gasdruck reduzieren. Die einzelnen Entfernungen sind dafür auf einem Ring am Abschussbecher aufgeführt.  Zudem wurde noch der Sicherungsring umgestaltet und der Abzugsbügel deutlich vergrößert um ein Bedienbarkeit mit Einsatzhandschuhen zu ermöglichen.

Die Entlastungslöcher am Distanzeinstellring sind gut zu erkennen.

Der TW73 wurde ursprünglich für den ausschließlichen Verschuß von Tränengaspatronen konzipiert, welche in der Schweiz „Tränengaspetarden“ genannt werden. Ab 1991 erfolgte die Einführung der ersten Gummigeschosse und die damit einhergehende  Umbenennung in Mehrzweckwerfer MZW 73/91. Die jetzige Bezeichnung lautet nach der letzten Modernisierung des Systems Mehrzweckwerfer MZW 04. Aktuell wird die Reizstoffgranate SNPE MP 7 verschossen, welche bei einem Gewicht von 350 mit einer V0 von 95 m/s den Abschussbescher verläßt. Auch die Antriebspatrone, welche für den Gasdruck verantwortlich ist wurde modernisiert. In das Magazin des MZW 04 passen 5 Treibladungspatronen 7,5 x 55mm welche früher die Bezeichnung Gewehr-Treibpatrone 44 trugen und modifiziert heute von RUAG unter der Bezeichnung  Treib Pat 08 gefertigt werden.

Treib Pat 08

Neben der bereits erwähnten CS Tränengaspetarde wird heute auch Gummischrot in Paketen zu 35 Stück verschossen. Diese einzeln 27x18mm großen, prismenförmigen Geschosse gibt es in der Ausführung 10 und 18 Gramm.  Nach Austritt aus dem Abschussbecher platzt die Folie um das Geschoss auf und die einzelnen Projektile werden freigegeben. DieV0 beträgt dabei pro Gummigeschoss 62,5m/s bei dem 10 Gramm Projektil. Die 18g Projektile sind mittlerweile aus dem Bestand genommen worden. Diese verteilen sich mit zunehmender Entfernung und bieten eine beachtliche Abdeckung. Bei der mimimale und zugleich ideale Schussentfernung von 20m liegt die Energie deutlich unter 10 Joule. Die Distanzverstellung ist bei dem Verschießen des Gummischrotes natürlich nicht mehr verwendbar. Um die nötige Funktionssicherheit zu gewährliesten muss der Distanzring auf die 160m Position gestellt werden um die Entlastungsbohrungen zu schliessen.

Tränengaspetarde SNPE MP7

Gummischrot in Folie

Gummigeschosse und die beiden Abschlußstücke aus Pappe.

Unterschiedliche Markierungen auf den einzelnen Gummigeschossen

Der MZW 04 ist damit das letzte verbliebene Stück Karabiner K31 Geschichte, welches auch noch im 21. Jahrhundert treu seinen Dienst tut und welche die Kräfte der Schweizer Ordnungsdienstkräfte nicht missen möchten.

Technische Daten:

Kaliber Schiessbecher: 57mm

Länge 780 00

Gewicht 4 kg 

Feuergeschwindigkeit: 6-10 Schüsse pro Minute. 

Mündungsgeschwindigkeit: Bei Gummischrot (10g) 62,5 m/s

Einstelldistanzen: 80/100/ 120/ 140/ 160 m

Reichweite: Mit Tränengaspetarde bis 180 m. Für Gummischrot minimale und praktische Einsatzdistanz 20m, maximale Schussdistanz von 50m.

Quelle:

Manual IPH Hitzkirch, Interkantonale Polizeischule

Auszug aus dem Protokoll des Stadtrates von Zürich vom 28. November 2001

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