7,62x25mm M1930 DDR Fertigung

7,62x25mm M1930 DDR Fertigung

Die Patrone 7,62x25mm Tokarev, welche als M1930 in genau demselben Jahr als Pistolenpatrone in der Sowjetunion eigeführt wurde ist keine Unbekannte. Anstoss für die Entwicklung war der rege Diskurs in den 20er Jahren um den bereits arg in die Jahre gekommene Ordonanz Revolver Nagant M1895, den die Sowjetunion aus der Zarenzeit „geerbt“ hatte. Versuche unterschiedliche Selbstladepistolen wie die Mauser C96 zu importieren scheiterten am Ausbruch des ersten Weltkrieges und der anschließenden Isolierung, welche auf die Revolution von 1917 folgte. Daher musste sich der neu enstandene Sowjetstaat selbst behelfen. Obwohl die Patrone später ihren Zenit in der Verwendung aus Maschinenpistolen erlebte, wurde sie ursprünglich als reine Pistolenmunition entwickelt. Pate stand dabei die Mauser Patrone 7,63x25mm. Ende der 20er Jahre entbrannte in der Sowjetunion eine beachtliche Kaliberdiskusion. Entgegen der Mode in vielen Europäischen Staaten setzte sich die Partei durch, welche eine überaus potente Laborierung favorisierte. Die hochrasante Mauserpatrone wurde geometrisch minimal angepasst, damit sie den seit der Zarenzeit geltenden, Zollmaß entsprach und die M1930 war geboren.

Die Einführung der Patrone wirkte wie eine Zäsur. Die Ausschreibung für die neue Dienstpistole der Roten Armee wurde neu aufgelegt und mündete in einer eindeutigen Entscheidung für die Tokarev TT-30 und der alsbald darauf folgenden TT-33. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.. aber nicht ganz.

Wir steigen im Jahr 1961 wieder ein und wandern ein paar tausend Kilometer nach Westen. Die hier vorliegende, in der DDR durch den Volkseigene Betrieb (VEB) Mechanische Werkstätten Königswartha gefertigte Patrone war gleichsam repräsentativ für die letze Inkarnation dieser langlebigen Munition. Die Fertigung lief im Jahre 1957, in Relation überraschend spät, als Erzeugnis 41003 an. Aus dem Jahre 1958 sind noch Exemplare mit Messinghülse belegt, ansonsten wurde ausschließlich lackierte Stahlhülse gefertigt. Die Fertigung endete vermutlich 1965 oder 1966. Späte Fertigungslose mit Dichtlack um den Hülsenmund sind ebenfalls belegt.

Zu dieser Zeit war die TT-33 bereits längst aus der sogenannten „Strukturbewaffnung“ der NVA verschwunden. Auch die PPSh-41 war in der Fläche durch Karabiner S (SKS) und MPi-K (AK47) ersetzt. Doch die zu tausenden aus der Sowjetunion bezogenen Waffen wurden nicht etwa vollständig eingelagert oder verschrottet, sondern in den Betriebskampfgruppen der Arbeiterklasse und auch in andere bewaffneten Organen wie den Grenztruppen weiter genutzt. An dieser Stelle sei an den berühmten Sprung von Conrad Schumann erinnert, der am 15. August 1961 in Berlin an der Ecke Bernauer/Ruppiner Straße mit seiner PPSh-41 auf der Schulter über den Stacheldraht nach West Berlin floh.

Die hier vorliegende Patrone mit dem Herstellercode 04 (Mechanische Werkstätten Königswartha) ist eindeutig für die Verwendung aus der PPSh-41 bestimmt gewesen. Beleg dafür ist die Verpackung mit einer Füllmenge von 70 Patronen, die der Trommel der Maschinenpistole entsprach. Die identische Patrone wurde für die Verwendung aus der TT-33 zu je 25 Stück in einer Faltschachtel verpackt. Aus der reinen Pistolenpatrone für die neue Ordonanzpistole der Roten Armee war indes eine primäre MP Patrone geworden. Das deutlich weniger offensiv brennende Pulver kann man an den wenigen, heute noch produzierten 7,62x25mm Patronen in Form des gewaltige Mündungsfeuers bestaunen, wenn diese aus einer Pistole verschossen werden. Auch die in Königswartha gefertigten Geschosse wurden mit einem Eisenkern versehen, der neben der an sich schon günstigen Form des Projektils einen zusätzlichen Beitrag zu der hervorragenden Penetrationsfähigkeit der Patrone leistete. Der bedeutendste Unterschied zu der Sowjetischer Fertigung stellte das Zündhütchen mit deutlich verringerter Zündmasse dar. Dieses eigens entwickelte Zündhütchen 08 wurde auch bei der Patrone 9mm M (9×18 Makarov) verwendet. Abschließend lässt sich sagen, dass die vorliegende Patrone mit korrosivem Zündhütchen auch nach 46 Jahren noch sehr lebendig ist und ohne weiteres ihren Dienst tut.

Technische Daten:

Durchmesser: 7,85 mm

Höhe: 35,00 mm

Geschossmasse: 5,5 g (89 grs)

Treibladungsmasse: ca. 0,50 g (8 grs)

Patronenmasse: ca. 10,5 g (157 grs)

V0:  430m/s

E0: 510J

 

Quelle:

Gerd Mischinger: Der Volkseigene Betrieb (VEB) Spreewerk Lübben (SWL), 2007

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