DDupleks-Defence AP-20 12/70

DDupleks-Defence AP-20 12/70

Die AP-20 Flintenpatrone des bei Riga in Lettland ansässigen Herstellers DDupleks-Defence ist in Deutschland ausschließlich für den Behördenbereich zugänglich und wurde in nur einer kleinen Stückzahl für Versuchszwecke importiert.  Die 12/70 Patrone hat dem Äußeren nach den Aufbau einer klassischen Flintenpatrone, verbirgt in ihrem Inneren allerdings einen gehärteten Stahlpenetrator, welcher am Heck von einem Treibspiegel aus Kunststoff umgeben ist. Dieser Treibspiegel verbleibt auch nach dem Verlassen des Laufes am Geschoss.  DDupleks- Defence wollte mit diesem Produkt einen Schützen mit einer Flinte dazu befähigen auch gehärtete Ziele und Gegner hinter Deckungen bekämpfen zu können. Als weitere Anwendung wurde die Verwendung gegen Fahrzeuge angeführt. Bis heute findet sich auf der Webseite des Herstellers der Anspruch, mit der Munition Körperschutz mit der Stufe NIJ Level IV durchschlagen zu können, allerdings ohne Entfernungs- oder Geschwindigkeitsangaben. Die Datenlage ist insgesamt recht spärlich.  So ist über Material und Härtegrad des Penetrators genauso wenig bekannt wie über V0 oder E0. Was bleibt sind die wenigen Erfahrungswerte, welche bei zwei kurzen Versuchen gesammelt werden konnten.

Die AP-20 zeichnet sich laut Hersteller neben der hohen Durchschlagskraft durch eine überdurchschnittliche Präzision aus. Dies konnte im Realversuch nicht bestätigt werden.  Ab einer Zielentfernung von 15m weiteten sich die Gruppen deutlich auf. Die als Referenz aus den identischen Waffen verschossene Flintenlaufmunition des gleichen Herstellers erwies sich auf die gleiche Distanz um bis zu 150% genauer. Auch die Durchschlagleistung ließ zu wünschen übrig. Eine NIJ Level IV Platte widerstand auf die genannte Entfernung zwei Treffern und zeigte minimales Trauma auf der Rückseite. Nach genauer Untersuchung der Schutzplatten entstand der Eindruck, dass mindestens ein Geschoss mit einem deutlichen Anstellwinkel im Ziel auftraf. Die Penetratoren, die geborgen werden konnten, zeigten teilweise eine leichtes Verbiegen, was gegen eine vollständige Härtung des Materials spricht und deutliche Erosion der Geschossspitze bis hin zu einem Materialverlust von 10%. Der Treibspiegel und der ihn zum Geschoss hin abschließende Metallring brachen erwartungsgemäß ab und konnten in keinem der Fälle geborgen werden.  Bei einer Verringerung der Zielentfernung auf 10m wurden deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Die Durschlagsleistung blieb zwar immer noch hinter den Erwartungen zurück, die Präzision nahm aber deutlich zu. Auf 10m Zielentfernung wurden immerhin VPAM 6 äquivalente Platten ohne Einschränkungen durchschlagen, was die AP-20 in dieser Hinsicht mindestens gleich setzt mit einer 7,62x39mm M43 Patrone. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass sowohl mit Selbstladeflinten als auch Vorderschaftrepetieren geschossen wurde und die Munition sich als betriebssicher erwies und keinerlei Störungen produzierte.

Der Stempel auf dem Hülsenboden der AP-20 ist nicht gerade aussagekräftig.

Mit Beendigung der Tätigkeit in der Behördensphäre endete für den Autor auch der Zugang zu dieser Munition. Somit ist dieser kurze Abriss die magere Ausbeute dessen, was man über diese Kuriosität sagen kann.  Es ist zudem stark zu bezweifeln, dass in Zukunft in der Bundesrepublik weiterer Bedarf an diesem Nischenprodukt entstehen wird, ist doch die Leistung recht überschaubar und die Anwendung von Flinten im Behördenbereich eine absolute Randerscheinung.

Trotz der nicht erfüllten Erwartungen bezüglich der AP-20 bleibt DDupleks-Defence ein innovativer Hersteller von Flintenmunition der auch in Zukunft noch für eine Überraschung gut sein wird. Sollten Leser über weiterführende Informationen verfügen, so freuen wir uns natürlich über Feedback und Ergänzungen.

Technische Daten:

Kaliber: 12/70

Durchmesser (Boden): 20,00 mm

Höhe: 70,00 mm

Geschossmasse: 50 g (308 grs) 

Patronenmasse: 37 g (571 grs)

V0: unbekannt 

E0: unbekannt

 

 

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