Makarow- Patrone 9,02

Makarow- Patrone 9,02

Die ebenfalls hier behandelte Tokarev Patrone war in der DDR noch lange nicht als Fertigung angelaufen, da entschied sich die Sowjetunion schon für ein neues Kaliber und eine dazugehörige Pistole. Bereits während der konzeptionellen Vorarbeit an der AK47 wurde schnell klar, dass die neue Pistole nur noch eine sehr kompakte Selbstverteidigungswaffe sein sollte. Die TT-33 und auch die noch immer vorhandenen Nagant Revolver galten als deutlich zu überdimensioniert und unnötig leistungsstark. Um dieser Anforderung nachzukommen entwickelte B.V. Semin (Semin war 1943 im Komitee, welche für die Entwicklung der M43 7,62x39mm Patrone verantwortlich zeichnete) im Jahre 1946 eine 9.2×18mm Munition. Schwerpunkt der Erwägungen war, dass die maximale ballistische Leistung abgerufen werden sollte, die aus einem unverriegelten Masseverschluß möglich sei. Wie bei der Tokarev stand auch in diesem Fall eine deutsche Entwicklung Pate, ließ sich doch Semin von der 9x18mm Ultra aus dem Jahre 1936 inspirieren. Die daraufhin von N. F. Makarov 1948 entwickelte Pistole wurde schlussendlich 1951 bei der Roten Armee eingeführt und fand als offiziel „9-mm Pistole M“ benannte Waffe ab 1957 Verbreitung bei den bewaffneten Organen der DDR. Die Lizensfertigung der Makarov Pistole in den Ernst Thälmann Werken, welche ebenfalls 1957 anlief und der damit verbundenen, teilweise dramatischen Ereignisse verdient eine eigene Betrachtung und soll hier nicht weiter verfolgt werden.

Pappschachteln mit je 16. Patronen.

Die “04” verrät den Hersteller Volkseigene Betrieb (VEB) Mechanische Werkstätten Königswartha, die “79” das Herstellungsjahr.

Da die Doktrin eine zunehmende Eigenversorgung vorsah, entschied sich die DDR ab 1959 für die Fertigung der sogenannten „Makarow- Patrone 9,02“. Die ersten in dem Volkseigene Betrieb (VEB) Mechanische Werkstätten Königswartha erzeugten Geschosse wurden noch als Vollbleifertigung ausgeführt, da man durch die 9x19mm Produktion damit Erfahrung hatte und der Stahlkern zu Begin Schwierigkeiten bereitete. Erst gegen Ende des Jahres 1959 folgte die Umstellung auf Stahlkern mit Bleihemd, womit auch die DDR zu einer vollwertigen „57-N-181S“ Patrone kam. Eine Besonderheit blieb die Verwendung des „Zündhütchens 08“ mit deutlich reduzierter Anzündmasse, welche auch bei der Patrone „7,62 TT“ verbaut wurde. Die Fertigung lief zunächst bis 1965 und wurde ab 1970 immer wieder nach Bedarf neu aufgelegt und ist bis in das Jahr 1987 nachgewiesen.

Die Makarow- Patrone 9,02 wurde sowohl mit blauem als auch rotem Siegellack gefertigt.

Verpackt wurde die Munition zu je 16 Patronen pro Pappschachtel und entsprachen so der Gefechtsbeladung von zwei Magazinen. Ab dem Jahreswechsel 1975/76 wurde ein Kunststoffeinsatz eingeführt, wie auch im vorliegenden Fall zu erkennen. Neben einem roten Siegellack kam am Hülsenmund auch immer wieder die Farbe blau zur Verwendung (siehe Bild). Neben der ab den 80er Jahren als „PM 9“ bezeichneten Makarov fand die Patrone auch Verwendung in der Pistole Stetchkin APS, der MPi PM-63 aber auch weniger bekannten Waffen wie der FÉG AP-9 oder der Reihenfeuerpistole IX. Parteitag.

Technische Daten:

Durchmesser: 9,27 mm

Höhe: 25,00 mm

Geschossmasse: 6 g (93 grs) 

Patronenmasse: ca. 10 g (154 grs)

V0: 300m/s 

E0:250J

 

Quelle:

Gerd Mischinger: Der Volkseigene Betrieb (VEB) Spreewerk Lübben (SWL), 2007

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