Maschinenpistole FÉG KGP-9 9x19mm

Maschinenpistole FÉG KGP-9 9x19mm

Die Geschichte dieser kaum bekannten Waffe beginnt im Sommer 1986. Der Leiter des Militärtechnischen Institutes (MN HTI) János Egerszegi erstellte innerhalb weniger Wochen den Forderungskatalog für eine Maschinenpistole im Kaliber 9x19mm. Dieser sah sowohl einen Masseverschluss als auch optional einen Gasdrucklader vor. Aus den eingereichten drei Entwürfen wurde durch eine Fachkommission schlussendlich die Konstruktion von FÉG als am vielversprechendsten bewertet. Unverzüglich begannen im Werk die Arbeiten an einem Prototypen unter dem Projektnamen ZUV. Zielgruppe für die Neuentwicklung sollte neben dem Bedarf der Streitkräfte die in der Mitte der 80er Jahre aufgestellten Anti-Terror Kräfte des ungarischen Innenministeriums sein, welche sowohl die Patrone 9×18 Makarov als auch diese verwendende Konstruktionen als veraltet ablehnte.

Die ersten Vorserienmodelle wurden im Laufe des Jahres 1988 fertig gestellt und einer Erprobung unterworfen. Diese endeten noch im selben Jahr mit einem sehr positiven Ergebnis. So wurde neben der hohen Lebensdauer und robusten Ausführung die überdurchschnittliche Resistent gegenüber Verschmutzung und klimatische Einflüsse gelobt. Die politischen Umwälzungen ab 1989 und der deutlich veränderte Fokus der entstandenen Republik Ungarn brachte die Entwicklung der KGP-9 allerdings kurz nach der Erprobung zum stehen. Erst im Jahre 1993 wurde das Projekt wieder aufgenommen und neu evaluiert. Nach einer erneuten Erprobung einer Kleinserie ging die Waffe in den Truppenversuch. Hier offenbarten sich die ersten Schwierigkeiten. Zum einen wurde der Erprobungsverband mit 9x19mm Munition aus der frühen MFS Fertigung versorgt, welche starken Qualitätsschwankungen unterlag, zum anderen zeigten sich konstruktionelle Probleme wie die ungünstig angebrachte Sicherung oder der ergonomisch schlecht gestaltete Klappschaft.

Erst 1996 entschied man sich, die Waffe endgültig zur Serienfertigung frei zu geben und einzuführen. Bei der erneut aufgelegten Vorserie offenbarten sich allerdings gravierende Mängel. So schossen mehrere Waffen auch bei auf Einzelfeuer gestelltem Feuerwahlhebel Reihenfeuer. Erst nach mehrwöchiger, akribischer Untersuchung zeigte sich, dass die mittlerweile privatisierte FÉG die Qualitätsstandards nicht mehr einhalten und teilweise grob fahrlässige Produktionsfehler zugelassen hatte. Die Beseitigung dieser Fertigungsprobleme zog sich bis in das Jahr 1997 hin, wo eine erneute Erprobung durch Spezialkräfte der Armee und auch durch die zentrale Ausbildungsstätte der Polizei (RSZKK) stattfand. Die Polizei lehnte daraufhin die Einführung der KGP-9 ab, schließlich hatten die relevanten Kräfte bereits mit der IMI UZI und Micro UZI eine bewährte Maschinenpistole in dem Kaliber im Bestand und die Einführung der HK MP5 stand kurz bevor.

Die Streitkräfte entschieden sich für die Beschaffung von etwa 1000 Waffen, welche zwischen 2000 und 2002 ausgeliefet wurden. Diese wurden nachweislich bei Missionskontingenten in Afghanistan, Irak oder dem Kosovo verwendet. Als letzter Nutzer in den Streitkräften galt lange zeit die Militärpolizei. Da diese aber unlängst die CZ Skorpion EVO 3 einführte ist es anzunehmen, dass die KGP-9 faktisch nicht mehr im Dienst ist. Neben der Armee entschied sich auch der ungarische Justizvollzug für das Produkt von FÉG udn galt lange Zeit als größter Nutzer. Heute finden sich neben der Lehrsammlung des Militärtechnischen Institutes in Táborfalva weitere KGP-9 in der Waffenkammer der zentralen Ausbildungsstätte der Polizei in Budapest, wo sie allerdings  nur für Ausbildung und Dokumentationszwecken verwendet werden.

Technisch gesehen ist die FÉG KGP-9 eine aufschießende Maschinenpistole mit Masseverschluß und innenliegendem Hahn. Die Abzugseinrichtung erinnert dabei deutlich an die AK. Der Spannhebel ist auf der linken Seite angebracht. Auch der Magazinlöser ist stark an die AK angelehnt. Die Waffe verfügt über keinen separaten Verschlussfang. Nach dem die letzte Patrone verschossen wurde, hält der Zubringer den Verschluss hinten, lässt diesen aber wieder vorschnellen, sobald das Magazin entnommen wird. Dadurch fällt das Magazin auch nicht frei und muss nach vorne geschoben und entnommen werden. Im Gegensatz zu dieser unglücklichen Lösung ist der Verschluss geradezu vorbildlich ausgeführt. Um eine ideale Gewichtverlagerung im Einklang mit dem Schwerpunkt der Waffe zu erzielen ist der Verschlussblock so ausgeführt, dass er den hinteren Teil des Laufes mit Partonenlager umschließt. Dadurch wird der Hochschlag im Schuss deutlich reduziert und die Waffe ist auch im Feuerstoß bemerkenswert beherrschbar. Im Verbund mit der Ausführung als aufschießendes System wird die KGP-9 so zu einer für ihre Klasse beeindruckend präzisen Konstruktion. Die Sicherung findet sich dort, wo Gehäuse und Abzugsbügel sich treffen. In der mittleren Position ist die Waffe gesichert. Nach links gedrückt schießt die Waffe Einzelfeuer und nach rechts gedrückt Feuerstoß. Die Nachteile dieser Konstruktion sind offensichtlich. Zerlegt wird die KGP-9 ähnlich wie eine Waffe der AK Familie. Dabei fällt auf, dass der Staubschutzdeckel mit einem deutlichen Formschluss signifikant fester sitzt als bei einer AK. Dies ist auch nötig, da die hintere Visierung auf ihr zu finden ist. Faktisch bedeutet dies aber, dass nach jedem Zerlegen die Waffe neu angeschossen werden muss.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die KGP-9 eine spannende und teilweise originelle Konstruktion darstellt, welche ein Opfer ihrer Entstehungszeit wurde und so bis heute an Kinderkrankheiten leidet, welche ihre Verwendung deutlich einschränken. Militärisch wurde die Maschinenpistole mit aufkommen moderner, kurzer Karabiner und dem entstehen einer neuen Klasse von Waffen, der PDWs (Personal Defense Weapon) zunehmen irrelevant. Polizeilich wiederum entschied sich der einheimische Nutzerkreis für die HK MP5. Damit war das Schicksal der KGP-9 besiegelt und eine Weiterentwicklung nicht realistisch.

Technische Daten:

Länge mit ausgeklappter Schulterstütze 642 mm, eingeklappt 381 mm

Höhe mit Magazin 217 mm

Breite mit eingeklappter Schulterstütze 84 mm und ausgeklappt 68mm

Gewicht leer 2870g 

Visierlinie 198 mm

Theoretische Feuergeschwindigkeit 1100 Schuß pro Minute 

Magazinkapazität 25 Patronen

V0 390 m/s (124gr Dienstmunition von MFS gefertigt)

E0 608 J (124gr Dienstmunition von MFS gefertigt)

 

Quelle:

Ference Földi: KGP-9 a FÉG 9×19 mm-es parabellum kaliberű géppisztolya: Kaliber Magazin, 4. Ausgabe 1998

Ottó Simonyi: Kicsi, de rossz: Zsaru Magazin, September Ausgabe 2007

Maxim Popenker und Anthony G. Williams: Sub-Machine Gun, 2011

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