Pistolen-Patrone-08

Pistolen-Patrone-08

In der Strukturbewaffnung der DDR Organe fanden sich neben der P08 auch zahlreiche Pistolen Walther P38 im Kaliber 9x19mm. Die in der VEB Ernst Thälmann runderneuerten und als „9-mm-Pistole-Patrone-08“ bezeichneten Luger Faustfeuerwaffen standen daher auch Pate für die Namensgebund der in der DDR gefertigten Munition in diesem Kaliber. Zudem wurde im gleichen Werk auch eine Kleinserie von Neufertigungen aufgelegt. Gleiches galt für die P38, welche auch aus tschechischer Nachkriegsfertigung bezogen wurde.  All diese Waffen mussten natürlich mit Munition versorgt werden und so lief ab 1957 gesichert, die Fertigung der Patrone 08 im Volkseigenen Betrieb Mechanische Werkstätten Königswartha an.

Die Produktion orientierte sich genauso wie bei der ebenfalls im gleichen Werk gefertigten 8x57IS und 8x33mm so stark an der Kriegsfertigung, dass man von einem Nachbau der Pistolenpatrone 08 mit Eisenkern sprechen kann. Intern wurde die Patrone 08 als Erzeugnis 41002 bezeichnet. Geladen wurde analog zum Vorgänger bei der Wehrmacht ein 6,1 Gramm schweres Geschoss mit dünnem Bleihemd und einem Eisenkern.  Neben der frühen Verwendung von Stahl kam auch zunehmend Messing als Material für die Hülsenfertigung zum Einsatz. Dies ist vermutlich darin begründet, dass die Luger Pistolen bereits Anfang der 40er Jahre Schwierigkeiten mit Stahl als Hülsenmaterial zeigten.

Verpackt wurde die Munition ebenfalls nach dem Vorbild der Vorkriegsfertigung in einer Pappschachtel zu je 16 Patronen. Damit ließ sich jeweils eine P08 oder eine P38 mit einem Reservemagazin vollständig aufmunitionieren.  Wie bei der Patrone 8x33mmm wurde im Verlauf der Fertigung der Gummistempelaufdruck durch Etiketten ersetzt. Diese tragen ausschließlich den Vermerk „St- Hülse“ für Stahlhülse.  Dies blieb auch erhalten, wenn die Verpackung Messinghülsen enthielt. Zur Kennzeichnung wurde in diesen Fällen das Etikett mit „MS“ für Messing überstempelt. Die 1957 begonnene Fertigung endete vorerst im Spätjahr 1961.

Die Gesamtfertigung von Munition im Kaliber 9x19mm kann nicht beziffert werden und ist wie viele andere Details dieses Patronentyps noch Gegenstand der Forschung des Autors. Mit dem Jahr 1961 endet allerdings noch nicht die Fertigungsgeschichte der für den Ostblock zunehmen untypisch werdenden Munitionssorte. Es ist nachgewiesen, dass 1985 eine weitere Serie aufgelegt wurde. Di e Pistolen P08 und P38 wahren zu diesem Zeitpunkt schon längst aus den Depots verschwunden und so ist anzunehmen, dass es sich wie bei der Fertigung der Patrone 5,56×45 durch die DDR ebenfalls um einen Exportartikel zur Generierung der verzweifelt benötigten Devisen gehandelt hat.

Technische Daten:

Durchmesser: 10 mm

Höhe: 29,7 mm

Geschossmasse: 6,1 g (94 grs)

Treibladungsmasse: vermutlich 0,38 g  (6 grs)

Patronenmasse: 10,8 g ( grs)

V0: unbekannt

E0: unbekannt

 

Quelle:

Gerd Mischinger: Der Volkseigene Betrieb (VEB) Mechanische Werkstätten Königswartha und seine Produktion von Munition für Handfeuerwaffen, 2002

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