Scan: Das leidige Thema!

Scan: Das leidige Thema!

Der Scan, zu Deutsch (Rundum-)Beobachtung nach dem Absolvieren eines möglichst komplexen Drills ist zu einer Art Qualitätssiegel jeden passionierten Handwaffentaktikaficionados geworden. Ohne das hastige Kopfschütteln ist man quasi tot, selbst nach gewonnem Feuerkampf. Der Scan ist der profunde Beweis, dass man weiter ist , als der Rest auf der Schießbahn. Der Scan ist der Goldstandard ,welcher die Spreu vom Weizen trennt. Der Scan ist zumeist nutzloses und sinnentleertes Ballett! Jedenfalls ist es das, was ich fast immer antreffe. Warum der Scan dennoch wichtig ist, will ich nun darlegen.

Am Anfang steht wie immer der Rahmen, in dem ich mich bewege. Der Polizist auf Fußstreife hat vollkommen andere Anforderungen zu bewerkstelligen, als der Soldat in der Patrouille oder der Berufswaffenträger mit Schutzperson, der vollends auf sich gestellt ist. Interessanterweise finden sich alle drei genannten Waffenanwender für den Großteil ihres Schusswaffentrainings in Schießstätten wieder, die sich trotz der gewaltigen Unterschiede ihres Auftrages überraschend ähneln. Daher stellt sich eingangs die Frage: Was muss ich in meinen Scan integrieren und was kann ich davon auf der Schießbahn abbilden? Die Antwort ist simpel: Alles!

Das vielgescholtene, neue Schießausbildungskonzept der Bundeswehr hat eine überraschend gute Lösung parat. Um für den Übergang vom Schulschießen zum Gefechtsschießen ein Interface zu schaffen, gleichsam von den Laborbedingungen zur Simulation des wahren Lebens, wurde der „Taktische Ablauf“ erdacht. Eine im Grunde sinnhafte und gute Idee, welche bei der Implementierung in der Truppe viel zu häufig zu einer blut- und sinnentleerten Abfolge von Bewegungen verkommen ist. Angehörige einer taktisch und strategisch überkommenen Truppengattung reicherten dies auch noch mit einem Magazinwechsel, gepaart mit Kniefall auf offenem Feld und dem lautstarken Rufen nach dem Magazin an und das Desaster war komplett.

Dabei eignet sich der Taktische Ablauf wunderbar um die Fragestellungen rund um den Scan exemplarisch zu beleuchten. Alle anderen Szenarien und Rollen sind eher weniger komplex. Auch in diesem Fall hilft der Menschenverstand sowie die reichliche Nutzung dieser selten gewordenen Ressource. Die Frage, warum für ich den Scan eigentlich durchführe, sollte am Anfang unserer Betrachtung stehen. Offenkundig ist es mir gelungen den Feuerkampf bzw. einen Teil davon als Überlebender zu bestehen. Nun stellt sich die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Hier kommt zumeist das berühmte Aufbrechen des Tunnelblickes zum Zuge. Diesen erreiche ich allerding nicht durch hektisches drehen von Kopf, Waffe oder sogar Oberkörper. Viel wichtiger ist der kognitive Prozess. Ob der Schütze dazu nach einer lebensbedrohlichen Lage überhaupt fähig ist, kann im Vorfeld nicht beantwortet werden. Grundsätzlich muss ich mich, nachdem meine aktuelle oder priorisierte Bedrohung erlöschen ist, auf die Suche nach weiteren Gefahrenquellen machen. Sind diese nicht unmittelbar zu entdecken, so ist es ratsam, in die Kommunikationsphase zu gehen. Wo ist mein Streifenpartner? Hatte ich nicht auch einen Trupp- oder Gruppenführer? Dies ist meist visuell und akustisch, seltener über Nachrichtenmittel durchzuführen. Muss ich mich bewegen? Wenn ja, wohin und auf welchem Weg? Kann ich diesen Weg zurücklegen, ohne in die Feuerlinie eines anderen Schützen zu geraten, welcher unter Umständen deutlich hinter mir eingesetzt ist?

Spätestens jetzt sollte jedem bewusst werden, dass das einstudieren von festen Mustern und Bewegungsabläufen in diesem Fall nicht zielführend ist. Der Pointman im Boardingeinsatz muss sich nicht umdrehen, nach bestandenem Feuerkampf in einem engen Aufgang eines Schiffs. Er nimmt akustisch Verbindung zu den Kräften hinter ihm auf, während er die Tür vor sich im Blick behält. Dem abgesessenen Panzergrenadier ist allerdings sehr wohl dazu zu raten, sich unmissverständlich bemerkbar zu machen, wenn er sich quer verschieben will, bevor das 300m hinter ihm eingesetzte MG das Feuer eröffnet.

Die Beispiele lassen sich unendlich weit spinnen und das ist auch gut so, bergen sie doch den Schlüssel für ein effektiveres Training. Der Ausbilder ist gefordert, die Rahmenbedingungen zu variieren, Teilnehmer miteinander kommunizieren zu lassen, Impulse zu setzten, welche eine kognitive Verarbeitung bei den Schützen nötig machen. Was davon in einer realen Konfrontation übrig bleibt, ist ungewiss. Hier gilt die Formel: Was im Training immer klappt, kann im Einsatz funktionieren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, so ist das Einspielen von Medic Lagen ebenso möglich, wie die Variation von Umweltbedingungen (hier reicht es schon, einfach das Licht zu löschen, um den Einsatz der Lampe zu erzwingen). Erfindungsreichtum und Motivation sind gefragt. Lasst den Scan nicht zu einer bedeutungslosen Handlung verkommen. Füllt ihn mit Inhalt und Leben!

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