7,62x39mm M 43 Hochdruck Patrone

7,62x39mm M 43 Hochdruck Patrone

Die M43 Hochdruckpatrone ist bis heute legendenumwoben und ein Quell zahlreicher Missverständnisse und falscher Behauptungen. Um so wichtiger ist es, sich diesem Thema mit aller Ernsthaftigkeit zu nähern und die möglichen Gefahren zu beleuchten. Daher das Wichtigste gleich zu Beginn: Diese Patrone darf auf keinen Fall aus einer Waffe mit dem Kaliber 7,62x39mm verschossen werden! Warum das so ist und welche interessanten Fakten sich noch hinter diesem Laborat verbergen, soll dieser Artikel beleuchten.

Die Entwicklung der vorliegenden M43 Hochdruck Patrone begann bereits Mitte der 60er Jahre in der VEB Mechanische Werkstätten Königswartha.  Als Vorbild dienten die Sowjetischen Patronen mit der Bezeichnung VD (Vysokoe Davlene zu Deutsch Hochdruck). Bereits die erste Sichtung offenbart, dass die Ingenieure in der DDR einen anderen Weg einschlugen. Während die VD Patrone in ihren Abmessungen einer regulären M43 gleicht und nur farblich markiert ist, entschied man sich in der Oberlausitz dazu, vorhandene Materialien mit einer neuen Bemaßung so zu kombinieren, dass ein versehentlicher Verschuss aus einer AK/AKM deutlich unwahrscheinlicher wurde. Der Geschossmantel und Hülse blieben identisch zu der bereits in Serie gefertigten Patrone. Die Erhöhung des Geschoßgewichtes erreichte man durch eine deutliche Verlängerung. Als Kern diente ein Vollbleikern, welcher am Boden nicht gebördelt wurde. Den festen Sitz des Kernes sicherten drei am Umfang des Geschosses angesetzte Körnerpunkte, welche deutlich sichtbar sind und neben der auffallenden Länge des Geschosses der zweite Anhaltspunkt zur Identifikation dieser Patrone darstellen. Eine weitere Markierung in Form von Farbe an Geschoßspitze, Übergang zur Hülse oder Ringfuge am Hülsenboden sucht man vergebens. Nur die Pappschachtel ist zusätzlich mit dem Gummistempel Aufdruck „Hoch Druck Patrone“ gekennzeichnet.

Die gegenüber der Standard M43 30% stärkeren Gasdruck produzierende Hochdruck Patrone wurde für das Beschussamt Suhl, sowie für die gefertigt, wo ab 1957 bereits mit dem Gerät K31 (MPi K) Waffen in dem Kaliber erzeugt wurden. Verwendet wurde das Erzeugnis für den Überdruckbeschuss von Läufen, welche bereits Züge und Felder erhalten hatten, aber noch nicht die endgültige Kontur aufwiesen. Erst nach bestandenem Überdrucktest wurden die Werkstücke weiter bearbeitet und anschließend in den entsprechenden Waffen verbaut. Bestand der unfertige Lauf den Testbeschuss nicht, wurde er ausgesondert.

Gefertigt wurde die Hochdruck Patrone bis Mitte der 80er Jahre. Das letzte bekannte Los ist aus dem Jahre 1985. Neben der DDR fertigten andere Nationen des Warschauer Paktes ebenfalls Überdruck Patronen. Diese lehnten sich allerdings bezüglich Bemaßung und Markierung stark an die ursprünglichen VD Patronen an. Das vorliegende Produkt der VEB Mechanische Werkstätten Königswartha ist daher ein weiteres, interessantes Stück Munitions- und Industriegeschichte und ein Beispiel für die zahlreichen Sonderwege, welche in der DDR beschritten wurden.

Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Patrone auf keinen Fall in eine Schusswaffe zu laden und abzufeuern ist! Durch die Geschosslänge würde im schlimmsten Fall eine Schussabgabe im unverriegelten Zustand erfolgen, mit fatalen Folgen für die Waffe und den Schützen.

 

Quelle:

Gerd Mischinger: Der Volkseigene Betrieb (VEB) Mechanische Werkstätten Königswartha und seine Produktion von Munition für Handfeuerwaffen, 2002

 

 

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