Volkshandgranate Spl

Volkshandgranate Spl

Text und Bild: Paul-Patrick Schröder

Als sich das Dritte Reich seinem Ende näherte und die Fronten immer näher an Deutschland heran rückten, wurden teils innovative, teils überausaus verzweifelte Anstrengungen unternommen, um den Ausstoß an Waffen und Gerät zu erhöhen und so mit dem Volk unter Waffen die alliierten Gegner aufzuhalten. Einer der eher unbekannten Vertreter der damals in der zweiten Jahreshälfte 1944 entwickelten Nahkampfmittel soll hier vorgestellt werden: Die Volkshandgranate Spl.

l

Der als Warnung gedachte Aufdruck  „Spl!“ für die Splitterwirkung der Granate ist bei Bodenfunden oft nicht mehr zu entziffern. 

In eine äußere Papphülle wurde ein Splittermantel aus Beton mit Eisenschrot gegossen. Im Inneren befanden sich 30 bis 36g Nipolit, ein in der zweiten Kriegshälfte entwickelter hochbrisanter Sprengstoff. Einige Realstücke wiesen aber auch schon 60g konventionellen Sprengstoffs auf. Ein Blechdeckel schloss den Korpus ab und nahm den Zünder auf. Bezündert wurden sie mit den von anderen Nahkampfmitteln bekannten Brennzünder 39 oder Brennzünder 40 mit Sprengkapsel Nr. 8, die 4,5 Sekunden Zündverzögerung („Blaukopfzünder“) ergaben. Als reine Verteidigungshandgranate mit einem Gewicht von 400-500g konzipiert, erzeugte sie eine Splitterwirkung im Umkreis von bis zu einhundert Metern. Da sie nicht wie andere Handgranatenmodelle über einen gesonderten Splitterring verfügte, sah man sich gezwungen, die Nutzung und damit verbundenen Gefahren für die eigene Truppe auch neben dem Namen durch den Aufdruck „Spl!“ kenntlich zu machen.

Fazit:

Diese Handgranaten scheinen trotz ihrer einfachen Herstellungsweise 1945 keine große Verbreitung mehr gefunden zu haben, sodass Realstücke vergleichsweise selten sind. Gleichzeitig ergibt sich eine größere Gefahr, bei Bodenfunden diese nicht sofort als Handgranate zu erkennen, da Form, Gewicht und Material für den Laien vergleichsweise untypisch wirken können. Die hier gezeigten Stücke sind moderne Modellnachbauten ohne Explosivstoffe oder andere Funktion, die Zünder sind deaktivierte Bundesmehrmodelle gleicher Bauart.

 

Quelle: Wolfgang Fleischer, Deutsche
Nahkampfmittel: Munition, Granaten und Kampfmittel bis 1945. Stuttgart,
2018.

 

Technische Daten:

Zünder: Brennzünder 39 oder Brennzünder 40 mit Sprengkapsel Nr. 8 mit 4,5 Sekunden Verzögerung
Abmessung: 96 x 50 x 58 mm mit Zünder
Gewicht: 400 – 500g
Sprengladung: 30g bis 36g Nipolit oder 60g konventioneller Sprengstoff 

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.