Mehrzweckwerfer der Polizei Hong Kong

Mehrzweckwerfer der Polizei Hong Kong

Tilelbild: Lam Yik Fei

Die Bilder von den Unruhen in der ehemaligen, britischen Kronkolonie Hong Kong gehen nunmehr seit Wochen um die Welt. Ein geeigneter Moment um sich die Ausstattung der Polizei, welche im Ordnungsdienst eingesetzt wird genauer anzusehen. Der Schwerpunkt dieses Beitrags soll darin liege, die verwendeten Mehrzweckwerfer zu identifizieren und kurz zu beschreiben, sowie in knapper Form den Hintergrund ihrer Beschaffung einzuordnen.

Angehöriger der Police Tactical Unit mit dem einschüssigen CSI 40mm GL-1 Werfer. Bildquelle: Felix Wong

Im Jahre 1967, dreißig Jahre vor der Rückgabe an China, erschütterte Hong Kong eine Welle von Unruhen und Streiks, die sich über Monate hinweg zogen und bürgerkriegsähnliche Zustände annahmen. Es nimmt daher nicht Wunder, dass die Polizei eine potente geschlossene Einheit aufbaute, um auch in der Zukunft Massenunruhen begegnen zu können. Diese als Police Tactical Unit (PTU) bezeichnete Bereitschaftspolizei entstand im Kern bereits 1958, wurde in den 1970er Jahren allerdings sukzessive ausgebaut. Bis heute erreichte diese Organisation eine Stärke von 2000 Mann mit weiteren 1000 in Reserve. Als sinnvolles Wirkmittel im Bereich der Less Lethal Bewaffnung erachtete man bereits früh den Mehrzweckwerfer Federal M201-Z Riot Gun zum Verschuß von Tränengas und Impulspatronen, sowie die Remington 870 Flinte, zu welcher Bean Bag Patronen im Kaliber 12 beschafft wurden. Diese zuweilen schon betagten Waffen sind bis heute in großer Zahl eingeführt und finden auch aktuell Verwendung.

Federal M201-Z Riot Gun beim Verschuss einer Tränengaspatrone. Bildquelle: Reuters

Das Mündungsfeuer des Federal Mehrzweckwerfers ist beachtlich. Bildquelle: Athit Perawongmetha

Nach den im Westen weniger beachteten Mong Kok Unruhen im Jahre 2016 setzte in Hong Kong ein Umdenken ein. Die ausschließliche Verwendung von Tränengas zum Auflösen von Menschenmengen wurde mit etwa 100, zum Teil schwer verletzten Polizisten in nur 24 Stunden bezahlt. Zudem stellten die lange Zeit statisch verharrenden Tränengasschwaden in den Häuserschluchten ein erhebliches Gefährdungspotential für unbeteiligte Anwohner dar. Die vorhandenen Impulspatronen wiederum offenbarten ihre gewaltiges Verletzungspotential, welches zu deutlicher Kritik am Polizeieinsatz führte. Als Reaktion auf die Ereignisse während der Mong Kok Unruhen begannen die verantwortlichen Stellen mit der Beschaffung zeitgemäßer Lösungen. Neben dem Tippmann Launcher für Pepperball Projektile die auf eine Mischung aus Impuls und Reizstoff setzen, wurden auch der 40mm GL-1 Werfer von CSI/CTS beschafft. Diese einschüssigen Launcher werden zuweilen auch unter dem Markennamen Penn Arms vertrieben.

Die Polizei Hong Kong bemüht sich den Einsatz von Tränengas auf offene und freie Flächen zu beschränken. Eine Lektion aus den Mong Kok Unruhen von 2016. Bildquelle: Edward Wong

Remington 870 Flinten werden verwendet um Gummigeschosse gezielt auf einzelne Demonstranten zu verschießen. Bildquelle: Apple Daily.

Munition

Die Bewirtschaftung der unterschiedlichen Munitionssorten ist sicherlich eine Herausforderung für die Polizei in Hong Kong. Bedauerlicherweise verfügen wir über keine genaueren Angaben bzgl. der Kaliber 12 Bean Bags. Für die Federal M201-Z stehen die Tränengas Munitionssorte CS-565 mit einer Reichweite von 70m und die Gummischrotpatrone 373 mit 3 Gummigeschossen und einer Reichweite von etwa 50m zur Verfügung. Die verwendete Pepperball Munition zu identifizieren ist ebenfalls überaus schwierig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die VXR Serie auszuschließen. Sicher ist nur, dass die vorhandenen Projektile im Kaliber 0.68×0.72 beschafft wurden. Die Unsicherheit setzt sich bei den 40mm Impulsgeschossen fort, welche aus den GL-1 Werfern verschossen werden. Eine seriöse Einschätzung dieser offenkundig im Low Velocity Bereich angesiedelten Munitionssorten ist uns zurzeit nicht möglich.

Der Tippmann Werfer zum Verschuss von Pepperball Projektilen ist auch bei den Justizvollzugseinheiten von Hong Kong im Einsatz. Bildquelle: K.Y. Cheng

Der CSI 40mm GL-1 Launcher scheint in größerer Stückzahl beschafft worden zu sein. Bildquelle: Wiki Media

Fazit

Die Ausstattung der Hong Kong PTU ist ein interessanter Streifzug durch über 80 Jahre ordnungsdienstlicher Wirkmittel, wurde doch die Federal M201-Z Riot Gun bereits in den 1930er Jahren entwickelt. Es bleibt abzuwarten wie sich die aktuellen Unruhen auf die Beschaffungspolitik der Polizei Hong Kong auswirken. Neben den faktischen Bedürfnissen einer gewaltigen Metropole wird auch die zunehmend Exporteinschränkung, wie unlängst durch Großbritannien angekündigt und ausgeführt, einen sichtbaren Einfluss auf die Ausstattung haben.

 

Wir danken Paul Skon für die Unterstützung bei der Recherche!

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