Smith & Wesson Chemical Company 37mm Model 276 Gas Gun

Smith & Wesson Chemical Company 37mm Model 276 Gas Gun

Bild und Text: Kristóf Nagy

 

Zu dem Model 276 gibt es nur wenige Quellen. Ziel dieses Beitrags ist es das zusammengetragen, was bekannt ist. Die Smith & Wesson Chemical Company gibt es nicht mehr. Über den Fertigungszeitraum der Model 276 bzw. 210/276 Werfer kann nur gemutmaßt werden. Es ist davon auszugehen, dass sie ab Mitte der 1960er Jahre bis 1984 produziert wurden. Nur eins ist gewiss: Diese Werfer sind weiterhin existent und werden auf der ganzen Welt, zuweilen bis heute benutzt.

Zum laden lässt sich der Lauf abkippen. 

Ring mit Zerlegezapfen sowie Seriennummer und Modellbezeichnung. 

Herstellerzeichen

Die Verwendung von 37/38mm Werfern für unterschiedliche Wirkladungen hat eine lange Tradition in den USA, speziell im Ordnungsdienst. Neben klassischen Tränengaskartuschen wurden auch zahlreiche Varianten von Wuchtgeschossen wie z.B. Bean Bags aus diesen Waffen verschossen. Besondere Bekanntheit erlangten diese Waffen durch die Unruhen in der 60er Jahren, aber bereits während der teilweise bürgerkriegsähnlichen Streiks der 30er und 40er Jahre und im Justizvollzug war die Nutzung dieser Werfer weit verbreitet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die in Ohio ansässige Lake Erie Chemical Company neben den oben erwähnten Wirkmitteln auch einen Werfer unter der Bezeichnung Tru Flite 37mm Super Long Range Gas Gun bereits in den 30er Jahren auf den Markt brachte. Lake Erie war damals neben den Federal Laboratories eines der beiden großen Anbieter von Less Lethal Wirkmitteln in den USA und wurde 1964 Teil des Bangor Punta Mischkonzerns. Der Konzern erwarb im gleichen Jahr auch Smith & Wesson von der Familie Wesson. Schnell war der Entschluss zur Umfirmierung von Lake Erie zur Smith & Wesson Chemical Company getroffen. Neben der erhofften Marketingwirkung erfolgte auch ein Technologietransfer. Auf Basis der überaus robusten N frame Plattform, welcher vom S&W bei dem Model 29 und Model 629 Revolvern verwendet wurde, entstand eine ganze Familie von einschüssigen 37mm Werfern ausgeführt als Kipplaufpistole. Diese besitzen neben einem glatt ausgeführten 14 oder 7,5 Zoll Lauf auch einen ausgezeichneten Double Action/ Single Action Abzug. Zum Öffnen des Systems muss der hinter der Kimme befindliche Hebel nach oben gedrückt werden. Das Rohr rotiert dabei um einen Zapfen, welcher auf der linken Seite mit einem Ring versehen ist. An der Unterseite des Rohrs befindet sich zudem der federgelagerter Ausstoßer. Dieser drück die Hülse nach dem Öffnen nach oben, sodass sie am Rand ergriffen und leichter entnommen werden kann. Zusätzlich zu den 37mm Waffen für den Verschuss von Granaten wurde auch eine Variante als Leinenwerfer für maritime Anwendungen gefertigt.

 

Visierung mit zwei Haltearken für 75m (unten) und 100m (oben). 

Model 209/210/ 276 Werbeplakat der Smith & Wesson Chemical Company.

Die Vorliegende Waffe wird von der griechischen Polizei auch heute noch verwendet und hat über die Jahre eine Schussbelastung von tausenden von Granaten ohne jegliche Blessuren überstanden. Auch dies spricht für die überragende Qualität der Model 276 Werfer. Auffällig ist, dass der Hinterschaft entfernt wurde um einen kompakteren Werfer zu generieren. Dies ist nur deswegen sinnvoll und möglich, da mit diesem Model 276 ausschließlich Reizstoffladungen in einer steilen Flugbahn verschossen werden und der gezielte Schuss unter Zuhilfenahme der Visierung nicht stattfindet.

Quelle:

Thomas S. Crockett, POLICE CHEMICAL AGENTS MANUAL, Washington 1969

Wir danken Paul Skon für die Unterstützung!

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