KKMPi-69

KKMPi-69

Text und Bild: Kristóf Nagy

 

Die Verwendung von Wehrsportgewehren im Kaliber .22 lfB ist seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts keine Seltenheit. Geringe Kosten für Munition und nicht zuletzt die deutlich gesenkten Anforderungen an die Schießstätte machten die Waffen in dem kleinen Kaliber nicht nur für vormilitärische Ausbildung wertvoll. Zudem waren sie auch für die ergänzende Schießausbildung sowie in Übung Haltung von Soldaten interessant. So wurden neben dezidierten Trainingswaffen auch Kleinkaliber Wechselsysteme bzw. Einsteckläufe für Sturmgewehre entwickelt und weit verbreitet eingesetzt. Was vor dem zweiten Weltkrieg als Einzel- oder Mehrlader begann, entwickelte sich in Einzelfällen ab den 50er Jahren zu einem möglichst direkten Nachbau von militärischen Waffen, was die Handhabung und Funktion betreffen. Ein profundes Beispiel dafür ist z.B. die polnische 22. lfB Variante der PPS 43/52 Maschinenpistole.

Die Seitenansicht zeigt den der AKM ähnelnden Aufbau und die Verwendung von teilweise identischen Teilen, aber auch das fehlende Gasrohr.

Auch in der DDR verwendete man die wirtschaftlichen Waffen im Kaliber .22 lfB für vielfältige Ausbildungsthemen und im großen Maßstab innerhalb der vormilitärischen Ausbildung durch die Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Die in der Fläche erfolgende Ausstattung der NVA mit aus heimischer Fertigung stammenden AK und AKM Derivaten ließ ab der Mitte der 60er Jahre aus Planungssicht eine Modernisierung dieses Waffenbestandes als durchaus sinnvoll erscheinen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die im Bezug auf die AK Systeme gleiche Handhabung im Bereich Ladetätigkeiten, Manipulation von Sicherung und Feuerwahlhebel sowie die möglichst identische Dimensionierung und Gewicht gelegt. Auch das Zerlegen und Zusammensetzen erfolgt analog zum Vorbild. Der junge, sozialistische Mensch sollte sich bereits frühzeitig an die Waffe gewöhnen und möglichst ohne größere Umschulung die MPi in der NVA bedienen können. Die KKMPi-69 (Kleinkaliber Maschinenpistole 69) folgte daher in ihrer äußeren Ausführung den Linien des AKM Gewehrs. Die Funktionsweise und auch die Fertigungstechnologie wichen jedoch deutlich von dem Original ab.

Die KKMPi-69 ist sowohl für Einzel- als auch Reihenfeuer ausgelegt. 

Als Hersteller wurde schnell der VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ bestimmt. Neben der dort bereits laufenden Produktion von AKM Lizenz Bauten, verfügte der Betrieb über eine große Erfahrung in der Herstellung von Kleinkaliberwaffen unterschiedlichster Couleur. Zwischen 1970 und 1975 entstanden dort unter Einbeziehung von einigen Zulieferern knapp 50.000 Stück. Die für eine möglichst genaue Kopie benötigten Bauteile, welche auch in der MPi KM Verwendung fanden, standen bereits als qualifizierte Teilkomponenten zur Verfügung. So wurde eine identische Schulterstütze aus Kunststoff bzw. ein etwas schmalerer Handschutz aus dem gleichen Material verwendet und ebenfalls im Spritzguss Verfahren hergestellt. Auch die Abzugseinrichtung wurde mit leichten Modifikationen übernommen, die Federspannung und das Gewicht der Bauteil jedoch an die des kleineren Kalibers und deren Randzündung angepasst. Der größte Unterschied zu der AKM stellte jedoch die Funktionsweise dar. Die KKMPi-69 wurde wegen des geringen Impulses nicht als Gasdrucklader, sondern als einfacher, ausschießender Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss ausgeführt. Der Verschlusskopf wurde dabei durch Guss hergestellt und anschließend maschinell bearbeitet. Die Verschlussfeder zudem ebenfalls an die deutlich schwächere Patrone angepasst. Auch das Gasrohr über dem Lauf entfiel, was der Waffe eine eigenständige und charakteristische Erscheinung gab. Des Weiteren waren kein Putzstock und auch keine Aufnahme für ein Seitengewehr vorhanden. Der dünne, mit sechs Zügen und einem Rechtsdrall ausgeführte Lauf wurde ohne ein Mündungsgewinde ausgeführt. Die offene Visierung ist ebenfalls an die MPi KM angelehnt, jedoch verkleinert und erlaubt vier Einstellung von 25m über 50 und 75m bis zu bis 100m Zielentfernung. Als Munition kam die in Schönebeck an der Elbe gefertigte 5,6 × 15,5 mm R M70 Munition zur Verwendung. Diese Laborierung wurde bis in die späten 80er Jahre in großer Zahl hergestellt und es ist anzunehmen, dass die KKMPi-69 bereits ab einem frühen Entwurfsstadium auf diese spezielle Laborierung ausgelegt wurde.

Der Kreis im Diamant/ Raute lässt den Hersteller VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ erkennen. 

Verschluss, Schließfeder und Staubschutzdeckel angepasst an die impulsschwache Patrone .22 lfB. 

Grundsätzlich wurde die KKMPi-69 gründlich durchkonstruiert und gefertigt, an den teilweise deutlichen Werkzeugspuren zeigt sich aber die klare Bemühung nicht nur Betriebs- sondern auch Fertigungskosten zu sparen. Der wahrscheinlich größte Unterschied zu den Einzel- und Mehrladewaffen, welche bis dahin in der vormilitärischen Wehrerziehung zum Einsatz kamen, war die Tatsache, dass die KKMPi-69 einen Feuerwahlhebel aufwies und die Abgabe von Einzel- und Reihenfeuer ermöglichte. In der letzteren Einstellung erwies sich die Waffe, primär bedingt durch den deutlichen Rand der verwendeten Patronen als überaus unzuverlässig. Zum Einsatz kamen reguläre AKM Magazinkörper, welche mit einem einreihigen Einsatz für 15 Patronen versehen wurden. Diese Konstruktion erwies sich als überaus belastbar und zuverlässig. Die Funktionsprobleme liegen daher eindeutig bei der Zuführung und dem Ausstoßen der Patronen/ Hülse mit deutlich ausladendem Rand im Serienfeuer. Neben einem Verklemmen einer ungezündeten Patrone zwischen Verschluss und Staubschutzdeckel ist zumeist ein fehlerhafter Auswurf die Ursache. Bei letzterem ist das etwas zu klein dimensionierte Auswurffenster die Ursache, dass die Hülse abprallt, erneut im System landet und dort die Zuführung der nächsten Patrone behindert.

Das tatsächliche Magazin wurde in ein 30 Patronen fassenden AKM Magazinkörper eingesetzt.

Frontaler Blick auf den Zubringer.

Die angesprochenen Probleme im Reihenfeuer sind nicht ausschließlich beschränk auf die KKMPi-69. Auch wenn die Literatur den Entwurf aus der DDR als häufig einzigartig darstellt, so gab es auch in einem anderen Land des Warschauer Paktes ähnliche Bestrebungen. In Ungarn entstand ebenfalls in der zweiten Hälfte der 60er Jahre mit der KAMM (Kiképző Automata Módositott Magyarosított) und der KDG (Kiképző Deszántos Géppisztoly) zwei Varianten eines reihenfeuerfähigen Ausbildungsgewehrs im Kaliber .22 lfB welche allerdings auf dem gleichen Entwurf basierten. Während die KAMM der Linie des AK-63 Gewehrs folgte, entsprach die KDG in ihrer Ausgestaltung der AMD-65 mit seitlichem Klappschaft. Die tatsächlich hergestellte Menge ist noch Gegenstand der Forschung des Autors, es ist aber anzunehmen, dass die KAMM mit grünlicher Schäftung in größerer Zahl gefertigt wurde. Wie die KKMPi-69 wiesen die ungarischen KK Gewehre, welche von FÉG produziert wurden, eine hohe Störungsrate bei Feuerstößen auf. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die ungarischen Entwürfe sich in der Ausführung unterscheiden und auch ein anderes Magazin verwenden, welches nicht kompatibel mit der KKMPi-69 ist.

Seitenansicht einer FÉG KAAM. Beachte den kurzen, regulär 20 Patronen fassenden Magazinkörper wie er bei der AMD-65 zur Verwendung kam.

Fazit

Nach der Überführung des Waffenbestandes der GST in die NVA im Jahre 1990 stand der KKMPi-69 die vollumfängliche Verschrottung bevor. Beachtlichererweise überlebten zahlreiche Exemplare, nicht nur europaweit in mehreren Museen und wehrtechnischen Sammlungen, sondern auch in privater Hand. Einige fanden auch den Weg in die Konfliktregionen des zerfallenden Jugoslawiens und wurden anschließend für kriminelle Zwecke verwendet. Die in diesem Beitrag abgebildete Waffe stammt aus solch einer Provenienz und wurde Mitte der 1990er Jahre an der Grenze zu Ungarn vom Zoll beschlagnahmt.

Technische Daten:

Kaliber: .22 lfB

Lauflänge: 440 mm

Länge: 870 mm

Gewicht leer: 3400 g

Magazinkapazität: 30 Patronen

Quellen:

  • Vorschrift zur KK-MPi 69, Gesellschaft für Sport und Technik, 1970
  • AK 47 The Grimm Reaper. Frank Iannamico, 2012

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