Colt ArmaLite AR-15 Model 01

Colt ArmaLite AR-15 Model 01

Bild: Joe Gajcevic und Kristóf Nagy

Text: Kristóf Nagy

Die AR15 Plattform ist untrennbar mit dem Namen Eugene Stoner verbunden. Diese verständliche Assoziation lässt allerdings die Rolle von zwei brillanten Ingenieuren unter den Tisch fallen. Ziel dieses Beitrages ist es, anhand der Entstehungs- und Vorgeschichte des Colt ArmaLite AR-15 Model 01 diese und einige andere Hintergründe zu erläutern.

Bei den erwähnten Ingenieuren handelte es sich um Robert Fremont, welcher der Assistent von Stoner bei Armalite war und Jim Sullivan, der die technischen Zeichnungen des AR-10 erstellt hatte. Beide Männer waren somit bis in das kleinste Detail mit dem ursprünglichen Entwurf im Kaliber 7,62x51mm vertraut. Da Stoner zu Beginn wenig Interesse an der reduzierten Variante seiner Konstruktion zeigte, wurde dieses Tandem mit der Ausgestaltung der neuen Waffe im damaligen Kaliber .222 Remington betraut. Diese Entwicklung blieb jedoch zuerst wenig beachtet. Der Fokus lag auf der finalen Ablösung des M1 Garand durch die US-Streitkräfte. In diesem Rennen war das Kaliber in Form der 7,62x51mm eindeutig gesetzt. Den Wettbewerb entschied am Ende der Entwurf von der Springfield Armory für sich und wurde 1957 als M14 eingeführt. Das AR-10 ging auch aus diesem Wettbewerb als Verlierer hervor.

Das Magazin mit seinen Querstreben und auch das Äußere des Verschlussträgers erinnern sehr stark an das AR-10. Oben der neue Spannhebel, rechts der Buffer (Joe Gajcevic).

Beachte die Markierungen und die überaus niedrige Serialnummer (Joe Gajcevic).

Gerade einmal 5 Tage nach der offiziellen Entscheidung für das M14, forderte der Kommandeur des U.S. Continental Army Command ein Gewehr im Kaliber .223 mit einem Maximalgewicht von 2,7 kg und einem zwanzig Patronen fassenden Magazin als zukünftiges Ordonanzgewehr für die US-Streitkräfte. Die Kunde von dem Entwurf von Fremont und Sullivan hatte sich schnell verbreitet. Umgehend wurden zehn Gewehre bestellt, um durch das Infantry Board getestet zu werden. Die Ingenieure von Armalite hatten sich aber nicht nur mit einer Anpassung von Bemaßung und Kaliber begnügt. Auch wurde der Handschutz im Gegensatz zum AR-10 überarbeitet und hohl ausgeführt, sowie mit einem Hitzeschild aus Aluminium versehen. Zudem wurde die Lochkimme überarbeitet und als einfacher und günstiger zu fertigende Klappversion ausgeführt.

Colt ArmaLite AR-15 Model 01 hatte noch keinen Forward Assist (Joe Gajcevic).

Zum Vergleich: Beachte die Position des Spannhebels beim AR-10, integriert in den Tragegriff (Kristóf Nagy).

Neue Patrone

Der vermutlich bedeutendste Schritt war jedoch die neue, mit .223 Remington bezeichnete Patrone. Dies wurde nötig, um die geforderte Präzision und Durchschlagsleistung auch auf Distanz zu ermöglichen. An diesem Punkt der Entwicklung schaltete sich erneut Eugene Stoner als führender Kopf ein. Basierend auf den zahlreichen Erfahrungen aus dem Small Caliber High Velocity (SCHV) Programm und mit tatkräftiger Unterstützung des Aberdeen Proving Ground entstand eine Patrone, welche bis heute maßgeblich die Entwicklung von militärischen Gewehren beeinflussen sollte. Die ab März 1958 durchgeführten Tests offenbarten schnell die Überlegenheit der neuen, kompakten und überaus flach schießenden Waffe. Von den positiven Resultaten angespornt entwickelte Stoner das Gewehr weiter. So wurde der Abzug überarbeitet und der Handschutz zweiteilig ausgeführt. Nicht zuletzt aus politischen Gründen wurde vom Generalsstab am M14 festgehalten. Enttäuscht und ohne Zukunftsperspektive trennte sich Armalite von dem Entwurf und veräußerte die Rechte an der Konstruktion 1959 an Colt.

Colt Markierungen und der Feuerwahlhebel (Joe Gajcevic) .

Blick in das Gehäuseunterteil (Joe Gajcevic).

Model 01

Den Schwerpunkt der Aktivitäten setzte Colt zweifelsohne auf die Vertriebsbemühungen. Am Entwurf wurde nur die Verlagerung des Spannhebels unter bzw. hinter den Tragegriff angepasst, was eine bequeme, beidhändige Bedienung erlaubte. Zudem wurden Kleinigkeiten angepasst, um die Fertigungskosten zu senken. Bereits im Herbst 1959 konnten die ersten 300 Exemplare an Malaysia verkauft werden. Diesen folgten im Sommer 1960 8500 Stück für die US Air Force. Colt war damit im Spiel und entwickelte das Gewehr weiter zu dem ikonenhaften M16, welches dem Unternehmen einen großen kommerziellen Erfolg bescheren sollte.

Fazit

Das Colt ArmaLite AR-15 Model 01 stellt zwar nur eine Zwischenstation der Entwicklung dar, ist aber ein überaus relevanter Punkt in der Geschichte dieser Waffe. Die als Model 01 bezeichneten Waffen sind nicht nur der Beginn der Colt Ära, sondern zugleich auch der Anfang des wirtschaftlichen Erfolges. Ein Beleg dafür, dass die reine Konstruktionsleistung nur eine Komponente für den Erfolg eines Entwurfs darstellt. Die in diesem Beitrag abgebildeten Waffen stammen aus Kanada. Dorthin sind sie Anfang der 1960er Jahre als Vertriebsmuster für Polizeibehörden gelangt.

Quellen:

  • Christopher R. Bartocci: AR-15/M16: The Rifle That Was Never Supposed to Be, Gun Digest 06/2012
  • Rifle Squad Armed with a Light Weight High Velocity Rifle. U.S. Army Combat Experimentation Center, Fort Ord. California, 1959

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