Selbstladepistole Walther P4

Selbstladepistole Walther P4

Bild: Joe Gajcevic

Text: Kristóf Nagy

Die Selbstladepistole Walther P4 ist eine für den Polizeidienst konzipierte und weniger bekannte Weiterentwicklung der P38/P1 Waffenfamilie mit konstruktiven Änderungen und Verstärkungen, sowie einem gekürzten gekürztem Lauf. Sie ist keineswegs mit der zur gleichen Zeit gefertigten P38K zu verwechseln, welche einen noch kürzeren Lauf und das Korn auf dem Verschluss hatte.

Technik

In der grundsätzlichen Auslegung unterschied sich die P4 von der P38 nicht. Ausgeführt als starrverrigelter Rückstoßlader mit Double Action/ Single Action Abzug und außen liegendem Hahn, liegen die Unterschiede im Detail. So erhielt die P4 einen reinen Entspann- statt Sicherungshebel. Stattdessen wurde eine neue Schlagbolzensicherung eingebaut. Durch entspannen des Hahns wurde der Schlagbolzen Abgesenkt und damit eine zusätzliche Fallsicherung geschaffen. Auch der Signalstift bzw. Ladeanzeiger entfiel. Dafür wurden die konstruktiven Verstärkungen, welche auch bei der P38 und P1 Fertigung einflossen, übernommen. So erhielt die P4 einen verstärkten Verschluss und das mit einem sechseckigen Querstift versteiftes Aluminiumgriffstück.

Die P4 wurde mit einem Reservemagazin ausgeliefert.

Historie und Fazit

Mit der P4 wollte Walther den veränderten Anforderungen an eine polizeiliche Dienstpistole der 70er Jahre Rechnung tragen. Neben der Steigerung der Lebensdauer war die schnelle Schussbereitschaft und eine kompaktere Form der Schwerpunkt der Entwicklung. Die bis dahin erfolgte serienbegleitende Weiterentwicklung aus der P38/ P1 Fertigung wurde übernommen. In dem Produktionszeitraum von 1975 bis 1981 wurden 7413 Stück gefertigt, wobei die letzte Lieferung aus Lagerbeständen 1986 erfolgte. Eine kleine Serie von 452 Stück gingen mit der Stempelung „P38 IV“ auf dem Verschluss als Export in die USA.

Der Stempel Adler mit hängendem Flügel stammt vom Güteprüfdienst der Bundeswehr welche die Abnahme als Amtshilfe für das Bundes Innenministerium durchführte.

Auch die Seriennummer weist die Waffe als Pistole des BMI aus. Das Los begannen mit 600 044 und liefen bis 605 314.

In Deutschland war das Bundesministerium des Inneren der Hauptkunde und gab die über 5000 Waffen an den Bundesgrenzschutz und den Zoll. Des Weiteren beschaffte die Bereitschaftspolizei Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie die West-Berliner Polizei P4 Pistolen. Letztere wurden aus rechtlichen Gründen von MANUFACTURE DE MASCHINES DU HAUT-RHIN kurz Manurhin in Frankreich aus Walther Teilen montiert und gestempelt. Laut alliiertem Kontrollrecht war es den Berliner Behörden verboten, Waffen aus westdeutscher Produktion zu erwerben. Abschließend sei noch anzumerken, dass trotz einer Versorgungsnummer die Walther P4 nie in den Bestand der Bundeswehr eingeführt wurde.

Technische Daten:

Gewicht: 800g (ungeladen)

Lauflänge: 110mm

Visierlänge: 165mm

Gesamtlänge: 200 mm

Gewicht (leer): 825g

Kaliber: 9×19 mm

Verschlussprinzip:  Starrverrigelter Rückstoßlader mit Schwenkriegel

Magazinkapazität: 8+1 Patronen

 

Quelle:

Dieter H. Marschall, Walther Verteidigungspistolen Model 1 bis PPX, Blaufelden 2016

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