Die Maschinenpistole MAS-38

Die Maschinenpistole MAS-38

Der erste Weltkrieg war kaum beendet, da begannen die französischen Streitkräfte mit der Analyse und stellten umgehend fest, was in Bezug auf die veraltete Infanterie Bewaffnung geändert werden musste. Ganz oben auf der Liste stand ein brauchbares und zuverlässiges leichtes Maschinengewehr. Auch die Maschinenpistole sowie ein Selbstladegewehr tauchte als Entwicklungsfeld auf, sodass bis Mitte der 1920er Jahre die ersten Prototypen erprobt wurden. Diese basierten weitestgehend auf der Bergmann MP 18 und wiesen auch das gleiche Kaliber auf. Der Prozess verzögerte sich jedoch bis in die 1930er Jahre, begleitet von einer stetigen Diskussion über die vermeintliche Rolle, sowie Vor- und Nachteilen dieser Waffengattung. Das Vorhaben genoss offenkundig keine Priorität, da andere Projekte in den Fokus rückten. Erst mit Ausbruch des Krieges beschleunigte sich der Vorgang rasant und so wurde der 1935 von MAS vorgestellte Prototyp mit wenigen Änderungen als Model 1938 in Produktion genommen.

Geschichte

In der Tat hatte es bis dahin, trotz zahlreicher teilweise origineller Entwicklungen, nur einen einzigen Versuch gegeben eine Maschinenpistole einzuführen, in Form der nur in sehr geringer Stückzahl als Vorserienmodel gefertigten ETVS (Établissement Technique de Versailles). Diese Waffe hatte bereits das präferierte französische Kaliber 7,65×20 mm Longue. Der bei Kriegsausbruch entstehende Bedarf wurde zuerst mit Importen in Form von Thompson M1928 A1 und Erma EMP Maschinenpistolen gelindert. Diese Lieferungen konnten den Bedarf der mobilisierten französischen Armee nicht einmal ansatzweise decken, sodass eine sofortige Fertigung bei Manufacture d’armes de Saint-Étienne beschlossen wurde. Die Einrichtung der Werkzeuge und Maschinen erforderte jedoch Zeit. Bis zum Waffenstillstand im Juni 1940 wurden gerade einmal 958 Waffen produziert.

Die Maschinenpistole MAS-38 ist trotz der langen Schulterstütze überaus kompakt.

Serialnummer und das Oberflächenfinish weisen auf eine Nachkriegsfertigung hin. 

Unter deutscher Besatzung wurde die Produktion fortgesetzt. Von der durch die Wehrmacht als MP722(f) Maschinenpistole bezeichneten Waffe wurden bis 1944 etwa 30.000 Stück gefertigt. Diese gingen mit großer Zahl an die Streitkräfte und die Polizei von Vichy Frankreich. Berühmtheit erlangte die MAS-38, als damit am 28. April 1945 vermeintlich Benito Mussolini durch den Partisanen Walter Audisio erschossen wurde. Des Weiteren ist interessant festzuhalten, dass das Historische Nationalmuseum Albaniens bis heute eine MAS-38 aufbewahrt, von welcher angenommen wird, dass sie die Waffe von Audisio gewesen ist. Bereits im Krieg wechselte die Fabrik erneut den Besitzer und die Produktion der Maschinenpistole lief ab Oktober 1944 in großen Rahmen weiter. Bis Februar 1951 wurden 203.000 Stück gefertigt und in den Kolonialkriegen von Indochina bis Nordafrika eingesetzt. Auch die französische Polizei und Luftwaffe verwendete die MAS-38, welche dort Ende der Anfang der 60er Jahre durch die MAT-49 abgelöst wurde.

Die Maschinenpistole MAS-38 zerlegt.

Blick auf die eingeklappten Lochkimmen für 100m und 200m. 

Technik

Die MAS-38 ist ein überaus kompakter und einfacher zuschießender Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss. Eine Besonderheit des Entwurfes ist der Umstand, dass Lauf und Verschluss in einem Winkel von 6 Grad zueinander verkantet sind. Dies zeigt sich auch an dem leicht abgeschrägten Verschlusskopf. Mit dieser Geometrie sollte der Schütze beim in Anschlag gehen schneller und intuitiver die Visierung aufnehmen können. Diese ist in Form eines festen Korns und zwei klappbaren und bündig in dem Gehäuse versenkten Klappkimmen ausgeführt. Durch die Verlagerung der Verschlussfeder in die Schulterstütze konnte die Länge der Waffe überaus kompakt gehalten werden.

Aufgeklappte 100m Lochkimme. 

Das solide ausgeführte Korn. 

Die MAS-38 ist nur für Reihenfeuer ausgelegt. Der Abzug ist gleichzeitig die manuelle Sicherung. Er lässt sich nach vorne hochklappen und blockiert damit den Verschluss, welcher sich anschließend nicht mehr spannen lässt, bzw. im gespannten Zustand fixiert wird. Dies erfolgt durch einen Stift, welcher in eine Aussparung am Verschluss greift. Dadurch ist auch eine zusätzliche Fallsicherung gegeben. Würde die Maschinenpistole bei eingesetztem Magazin gerade auf die Schulterstütze fallen, so kann der Verschluss nicht durch Masseträgheit die Verschlussfeder überwinden und eine Patrone zuführen und abfeuern. Während die Waffen aus Kriegsproduktion eine Phosphatierung als Oberflächenbehandlung erhielten, erkennt man die Nachkriegsfertigung, neben der Serialnummer, auch an dem Einbrennlack, welcher schneller und kostengünstiger in der Fertigung war.

Das Zerlegen der Waffe ist denkbar einfach. Durch drücken des federgelagerten Knopfes zwischen Hinterschaft und Gehäuse lässt sich ersterer um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn drehen und zusammen mit der Verschlussfeder nach hinten herausziehen. Zieht man den Verschluss am Spannhebel zurück, so kann dieser ebenfalls aus dem Gehäuse entnommen werden. Die Abzugsgruppe kann ebenfalls separiert werden. Das Zusammensetzen erfolgt in umgedrehter Reihenfolge. Der Ausstoßer ist fest im Gehäuse verbaut. Auch der Schlagbolzen ist starr im Verschluss ausgeführt, lediglich der Auszieher ist federgelagert auf der rechten Verschlussseite eingebaut.

Am Verschluss ist deutlich die runde Aussparung für den Sicherungsstift erkennbar. 

Verschlusskopf mit festem Schlagbolzen und Auszieher. 

Fazit

Die MAS-38 kam viel zu spät und in deutlich zu geringer Stückzahl, um auch nur irgendeinen Einfluss auf die Kampfhandlungen in Frankreich zu haben. Nach dem Krieg war sie wegen ihrer kompakten Bauform und dem angenehmen Schussverhalten eine durchaus beliebte Waffe, gerade bei Luftlande Einheiten. Wie die meisten französischen Waffen dieser Ära wurde sie faktisch nicht exportiert, sodass die Proliferation sich auf Südost Asien und wenige ehemalige französische Kolonien in Afrika beschränkte. Auch dort ist die MAS-38 mittlerweile aus der Nutzung verschwunden, was sicherlich auch daran liegt, dass die 7,65×20 mm Longue Patrone nur noch in Kleinstserien für Liebhaber gefertigt wird.

 

Technische Daten:

Kaliber: 7,65×20 mm

Länge: 635 mm

Lauflänge: 224 mm

Gewicht leer: 2900 g

Theoretische Feuergeschwindigkeit: 700 Schuss pro Minute

Magazinkapazität: 32 Patronen

V0: 350 m/s

Quelle:

Jean Huon: MAS 1938 SUBMACHINE GUN in Small Arms Review V14N2, 2010

M. Popenker und A.G. Williams: SUB-MACHINE GUN, 2011

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