Frühe AR-15/ M-16 Hinterschäfte

Frühe AR-15/ M-16 Hinterschäfte

Bild und Text: Chuck Madurski

Ein wenig beachtetes Thema sind die Varianten der Hinterschäfte bei den AR-15 bzw. M-16 Gewehren aus früher Produktion. Werksseitig ist hierüber nichts bekannt. Im Laufe der Jahre wurden die Varianten von Sammlern als Typ A bis Typ E klassifiziert. Verwendung fanden sie bei den Colt-Modelle 601 bis 604 und sogar darüber hinaus. Ziel des Beitrages ist es dieses wenig bekannte Feld ein wenig auszuleuchten und die Unterschiede herauszuarbeiten. Wer sich weitergehend für frühe AR-15 Gewehre interessiert, dem sei zu dem Colt Armalite AR-15 Model 01 Beitrag geraten.

Bereits bei dem frühen Colt 601 Model gibt es eine Varianz. So wurden sowohl Hinterschäfte vom Typ A als auch B verwendet. Diese waren mit einem grünen oder schwarzen Farbüberzug versehen. Zuweilen kamen auch Schäfte im unlackierten Fertigungszustand zur Auslieferung. Diese sind an der braunroten Farbe mit beträchtlichen Sprenkelung, welche durch das lose Füllmaterial im Harz entstand, zu erkennen. Zudem erfolgte eine Befüllung mit einem synthetischen Schaum. Die Montage einer gummierten Schaftkappe erfolgte durch eine Schraube sowie verkleben. Zur Aufnahme des Gewehrriemens diente ein Bügel, der an einem drehbaren Bolzen befestigt war und bereits innerhalb der Fertigungreihe der A Varianten den frühen, in sich drehbaren Bügel ablöste. Betrachtet man die Schafttypen bis zur Variante D, so fällt oberhalb des Gewehrriemenbügels ein kleines Loch auf. In diesem wurde der Spannstift eingesetzt, damit der Bolzen nicht herausfiel. Diese Ausführung wurde bis zur Version E beibehalten.

Von links nach rechts: Type A, C, D und E Hinterschaft.

Typ A und B lassen sich am einfachsten an der Form bzw. Linienführung unterscheiden. Die erste Version verlief an der Unterseite einige Zentimeter parallel zum Gehäuse und fiel danach deutlich ab. Die späteren Schäfte fallen bereits direkt hinter dem Gehäuse in einem flachen Winkel ab. Nach etwa einem Viertel der Gesamtlänge wird dieser Winkel etwas spitzer und führt dann in einer Linie bis zur Schaftkappe. Es ist reine Spekulation meinerseits, aber ich behaupte, dass die Änderung des Schaftes eine Produktverbesserung darstellte, da die Schäfte vom Typ A aufgrund des schmalen, kurzen Abschnitts hinter dem Gehäuse offensichtlich schwächer sind. Dies bereitet insbesondere beim Verschießen von Gewehrgranaten ein Problem, da die Schäfte brachen.

Von links nach rechts: Typ E, D, C und A Hinterschaft.

Der Typ C war der letzte Schaft, der mit den ursprünglichen Herstellungsverfahren und Materialien produziert wurde. Der Unterschied zu den Typen A und B liegt nur darin, dass der Typ C in schwarz eingefärbt ausgeführt wurde. Ein weiteres Erkennungszeichen ist das Loch zur Entlüftung bei der Schaum Befüllung, welches zudem ein Verdrehen bei der Montage am Gehäuse verhindern sollte. Bei dem im Anschluss gefertigte Typ D Schaft wurde die Geometrie beibehalten. Der Auftrag für die Colt Model 604 Gewehre, welche als M-16 bei der US Air Force eingeführt wurden verlangte jedoch eine zusätzliche Haltbarkeit, was sich auch in der Materialwahl niederschlug. Der Typ D wurde auch für die M-16E1 (Colt Model 603) Produktion verwendet. Der Schaft des Typs E schließlich ist im Wesentlichen derselbe wie der des Typs D. Als Unterschied ist nur die neue Kunststoff Schaftkappe mit einer zusätzlichen Klappe zur Aufnahme eines Reinigungsgerätes zu erwähnen. Mit dieser Aufnahme wurde eine Tradition fortgesetzt, die bis auf das M1892 Krag- Jørgensen Gewehr des ausgehenden 19. Jahrhunderts zurück geht. Seit dem hatten amerikanische Militär Gewehre einen Putzstock oder Reinigungsgerät im Schaft. Die Modifikation zeigte aber auch die Reaktion auf die Erfahrungen des Vietnam Krieges. Das Fehlen von Reinigungsgeräten in Verbindung mit einigen anderen Problemen trugen im Verbund zu den Anfangsschwierigkeiten bei der Einführung der Waffe bei. Interessanterweise erfuhr das Fach im Hinterschaft, mit zunehmender Verbreitung der AR-15 Plattform als Matchgewehr, eine vollkommen andere, nicht geplante Verwendung. Durch die immer ausgeklügelten und damit schwereren Matchläufe wurden die Waffen zunehmend vorderlastig. Um diesen Umstand zu kompensieren befüllten Sportschützen das Fach im Schaft mit Bleigewichten um die Balance wieder herzustellen. Zuletzt sei noch angemerkt, dass der Bügel des Gewehrriemens beim Type E fest und nicht mehr drehbar ausgeführt wurde, ähnlich dem M1 Garand und M-14 Gewehren.

Gute zu erkennen: Der Deckel des Faches für ein Reinigungsgerät ganz links.

Fazit

Abschließend soll auf die durch fortwährende konstruktionelle Änderungen entstehenden Gewichtsverschiebungen eingegangen werden. Bereits Anfang der 1980er Jahre, als ich mein erstes AR15 erhielt, wunderte ich mich über das abweichende Gewicht zu dem, was die militärischen Vorschriften angaben. Auch wenn dies nicht Gegenstand dieses Beitrages ist, so bin ich überzeugt, dass es sich um eine stetige Verbesserung der Schäftung handelt, welche dafür verantwortlich ist, dass das Gewicht anstieg. Wog der Type A Hinterschaft noch 285g und der Typ B 280g, so erreichte die Variante D bereits 340g und der Type E 375g. Dieses Phänomen ist auch beim Handschutz zu beobachten. Die Vorschriften wurden im Laufe der Zeit nur nicht an die veränderte Produktionsrealität angepasst.

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