Author Archive Kristóf Nagy

Nordkoreanische Mündungskomponente

Text: Kristóf Nagy

Bilder: KCTV

Die Ende letzter Woche abgehaltene Parade in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang hat für einige Überraschungen gesorgt. Bei zahlreichen vorgestellten Waffen schwingt jedoch immer die Frage mit: Ist das ein wirklich eingeführtes und funktionierendes System oder nur ein Dummy. Seit geraumer Zeit beschränkt sich diese Frage nicht nur auf Großgerät, sondern auch die persönliche Ausrüstung der Soldaten, wie die fantasievoll gestaltete Körperschutzausstattung und Nachtsehgeräte in der Vergangenheit gezeigt haben. Von diesem Trend verschont blieben lange Zeit die gezeigten Handwaffen. Selbst kuriose Entwicklungen wie das Schneckenmagazin für das Type 88 Sturmgewehr erwiesen sich als tatsächlich eingeführte und (mehr oder weniger) brauchbare Produkte. Ein Detail der diesjährigen Parade erweckte allerdings die Aufmerksamkeit einiger Fachleute. Gemeint ist eine besondere interessant geformte Mündungskomponente, welche wir genauer betrachten wollen.

Grundsätzlich sind drei verschiede Möglichkeiten denkbar. Im Folgenden sollen alle drei diskutiert und abgewogen werden:

Der Granatbecher

Einige Analysten kommen zu dem Schluss, dass es sich um einen Abschussbecher zum verschießen von Granaten handelt, wie es z.B. in der DDR von der Volkspolizei und den Kampfgruppen der Arbeiterklasse für Reizwirkkörper oder die Handgranate RGD-5 gab.  Diese Theorie klingt interessant, hinkt aber gleich an zwei Stellen. Zum effektiven Verschießen einer Granate wird die gesamte Gasmenge, welche durch die Antriebspatrone erzeugt wurde, benötigt. Im vorliegenden Fall würde das Gas zuerst in einer ersten Kammer expandieren und dabei deutlich an Energie verlieren, bevor sie wieder durch eine Düse gepresst wird, um auf die Granate oder den darunter befindlichen Treibspiegel zu wirken. Das zweite Problem ist noch gravierender: Vergrößert man die Aufnahme, so sieht man, dass die Mündung nur ein kleines Loch aufweist, welches gerade mal für ein übliches Handwaffenkaliber reicht.

Trotz der schlechten Bildqualität ist klar, dass der Durchmesser der Mündungsöffnung recht klein ist. 

Der Schalldämpfer

In der Tat sind verschiedene Schalldämpfer bzw. Signaturreduzierer bei der Parade gezeigt worden. Vom klassischen PBS-1 bin hin zu schmaleren Entwürfen, wobei die Leistungsfähigkeit dieser lokal gefertigten Geräte schwer zu beurteilen ist. In dem diskutierten Fall könnte es sich bei dem an der Mündung befestigte Teil theoretisch um die erste Kammer handeln. Diese nimmt vielleicht sogar analog zu dem erwähnten PBS-1 Entwurf eine Reihe von Gummidichtungen auf. Anschließend verjüngt sich das Gehäuse stark und es folgt eine weitere Kammer, welche deutlich kürzer, aber mit dem gleichen Durchmesser zur Mündung hin ausgeführt ist. Die Rolle dieser Konstruktion für einen vermeintlichen Dämpfungsprozess ist nicht klar.

Auch andere konservativ anmutende und eher an den PBS-1 Dämpfer erinnernde Varianten wurden gezeigt. 

Der Booster

Auf den ersten Blick erinnert die nordkoreanische Mündungskomponente an einen deutlich vergrößerten AKS-74U Mündungsfeuerdämpfer, welcher zusätzlich die Rolle eines Boosters hat. Ein Booster ermöglich die Kompensation einiger Nachteile bei kurzen Läufen. So erwirkt der gesteigerte Gasrückstaus bei weit hinten liegender Gasabnahmen eine höhere Funktionssicherheit. Dieses Feature ist bei der Standard Lauflänge und Gasabnahme des Type 88 Gewehrs jedoch nicht nötig und eher kontraproduktiv. Zudem wird die V0 des abgehenden Geschosses erhöht und der Anteil an nachströmenden, destabilisierenden Gasen reduziert, was sich positiv auf die Präzision auswirkt. Ein weiterer Nebeneffekt ist die deutliche Reduktion des Mündungsfeuers. Gerade die letzten beiden Aspekte hätten einen – jedenfalls theoretisch – positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Waffe mit regulärer Lauflänge.  Die Verwendung dieser Technologie ist verbreiteter, als man denkt. Wir berichteten erst Anfang des Jahres über eine ähnliche Konstruktion für die Maxim PDX. Einzig die gewaltige Dimensionierung ist auffällig und für die angesprochene Rolle nicht notwendig bzw. geradezu kontraproduktiv.

Booster, Schalldämpfer, oder der versuch beides zu kombinieren?

Fazit

Ist es ein Schalldämpfer, ein Booster? Vielleicht sogar der Versuch beide Technologien zu kombinieren? Wir wissen es nicht. Für einen Schalldämpfer spricht vieles, wie dargelegt. Für den Booster nur wenig. Der Granatbecher indes kann ausgeschlossen werden. Es gilt auch in Zukunft die Handwaffenentwicklung in Nordkorea zu beobachten. Schließlich ist das Land immer wieder für eine Überraschung gut.

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Die Maschinenpistole MAS-38

Der erste Weltkrieg war kaum beendet, da begannen die französischen Streitkräfte mit der Analyse und stellten umgehend fest, was in Bezug auf die veraltete Infanterie Bewaffnung geändert werden musste. Ganz oben auf der Liste stand ein brauchbares und zuverlässiges leichtes Maschinengewehr. Auch die Maschinenpistole sowie ein Selbstladegewehr tauchte als Entwicklungsfeld auf, sodass bis Mitte der 1920er Jahre die ersten Prototypen erprobt wurden. Diese basierten weitestgehend auf der Bergmann MP 18 und wiesen auch das gleiche Kaliber auf. Der Prozess verzögerte sich jedoch bis in die 1930er Jahre, begleitet von einer stetigen Diskussion über die vermeintliche Rolle, sowie Vor- und Nachteilen dieser Waffengattung. Das Vorhaben genoss offenkundig keine Priorität, da andere Projekte in den Fokus rückten. Erst mit Ausbruch des Krieges beschleunigte sich der Vorgang rasant und so wurde der 1935 von MAS vorgestellte Prototyp mit wenigen Änderungen als Model 1938 in Produktion genommen.

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Selbstladepistole Walther P4

Bild: Joe Gajcevic

Text: Kristóf Nagy

Die Selbstladepistole Walther P4 ist eine für den Polizeidienst konzipierte und weniger bekannte Weiterentwicklung der P38/P1 Waffenfamilie mit konstruktiven Änderungen und Verstärkungen, sowie einem gekürzten gekürztem Lauf. Sie ist keineswegs mit der zur gleichen Zeit gefertigten P38K zu verwechseln, welche einen noch kürzeren Lauf und das Korn auf dem Verschluss hatte.

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CZ BRNO Model 2/ ZKM 452 Standard

Bild: János Csomán

Text: Kristóf Nagy

Kadettengewehre zur vormilitärischen Ausbildung oder als günstiges Surrogat für die in Übung Haltung sind heute zumeist aus der Mode gekommen. Selbst Kleinkaliber Wechselsystem für Sturmgewehr werden kaum noch verwendet. Dabei sind diese oft überaus präzisen Waffe, welche eine geringe Anforderung an die Schießstätte stellen, interessante und wertvolle Helfer in der Schießausbildung. Daher wollen wir in Zukunft einige dieser Waffen und Wechselsysteme anschauen.

Den Anfang macht das CZ BRNO Model 2/ ZKM 452 Standard .22 LfB Kleinkaliber Kadettengewehr. Diese hochwertig ausgeführte Waffe mit einem Schaft aus Buchenholz begann seine Laufbahn im Jahre 1954 als Weiterentwicklung des seit 1947 gefertigten Model 1. Beide Waffen stammten vom tschechischen Konstrukteur Josef Koucký.

Die CZ BRNO Model 2/ ZKM 452 Standard weist eine hohe Fertigungsqualität mit sauberen Passungen auf.

Montageschiene mit Herstellerlogo. Dahinter ist die Entlastungsbohrung vom Verschluss erkennbar. 

 

Die 452 Standard verfügt über einen einstellbaren Abzug. Die Kimme ermöglicht die Seitenverstellung, während das von einem Tunnel umschlossen Korn in der Höhe anpassbar ist. Der Visierbereich ist in 25m schritten bis 200m wählbar. Der 630mm lange Lauf ermöglicht, bei entsprechender Munition, auch auf diese Entfernung passable Treffer. Auf dem Systemgehäuse befindet sich direkt vor dem Auswurffenster eine 11mm Schiene, welche zur Aufnahme einer Optikmontage dient. Des Weiteren ist noch anzumerken, dass der Verschluss mit doppelten, beidseitig angeordneten Auszieher ausgeführt wurde. Ansonsten ist der mit einem fünf oder zehn Patronen fassenden Magazin ausgestattete Mehrlader schlicht und funktional ausgestaltet.

Draufsicht auf den Verschluss mit Kammerstängel.

Die beidseitigen Auszieher. 

Fazit

Das ZKM 452 Standard wird seit geraumer Zeit nicht mehr gefertigt. Dennoch wird es bis heute in der ursprünglich angedachten Rolle verwendet, so z.B. bei den Kadetten aller Teilstreitkräfte in Australien. Für militärischen und polizeilichen Kleinkaliberwaffen wurde von Organisationen auch spezielle Munition spezifiziert und beschafft. Daher lohnt sich für die erweiterte Betrachtung auch ein Blick auf diesen Beitrag: D.W.M Zielmunition 5,6 mm

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Dokumenten Archiv: Schautafeln Hecker & Koch Pistole P7

Text: Kristóf Nagy

Farbige Schautafeln zur Verdeutlichung der Abläufe in einer Schusswaffe…

Das Ganze geradezu liebevoll detailliert, auf Fotopapier gedruckt…

Eine Ausbildungshilfen aus einer kultivierten Zeit:

Die Schautafeln der P7 sind seinerzeit auf seidenmattem Kodak Fotopapier gedruckt worden und dienten der Visualisierung der Abläufe innerhalb der Selbstladepistole. Genutzt wurde das Konvolut für die Ausbildung innerhalb der Bundeswehr. Dort diente die Waffe bei der Feldjägertruppe, insbesondere beim militärischen Personenschutz. Näheres regelte die TDv 1005/046-12 Teil 1 bis 2 Pistole P7. Leider ist das letzte Blatt etwas fleckig erhalten. Umso wichtiger, dass es auch digital konserviert und zugänglich gemacht wird.

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Colt ArmaLite AR-15 Model 01

Bild: Joe Gajcevic und Kristóf Nagy

Text: Kristóf Nagy

Die AR15 Plattform ist untrennbar mit dem Namen Eugene Stoner verbunden. Diese verständliche Assoziation lässt allerdings die Rolle von zwei brillanten Ingenieuren unter den Tisch fallen. Ziel dieses Beitrages ist es, anhand der Entstehungs- und Vorgeschichte des Colt ArmaLite AR-15 Model 01 diese und einige andere Hintergründe zu erläutern.

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Walther P38 Umbau auf Kleinkaliber Einzellader

Das Verändern oder Reparieren von Waffen im häuslichen Rahmen,  welche aus dem zweiten Weltkrieg übergeblieben sind, hat in vielen Europäischen Ländern bis heute Tradition. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Häufig wird einfach nur die Serialnummer entfernt oder die Größe der Waffe reduziert, um sie leichter verbergen zu können. Einer der häufigsten Gründe ist jedoch die Reparatur defekter Waffen oder die Adaption an neue Kaliber, um sie weiter nutzen zu können. In dem vorliegenden Fall ist zu vermuten, dass die Intention eine Mischung aus beiden Aspekten darstellte.

Seitenansicht: Beachte den gespannten Hahn.

Auf den ersten Blick ist klar, dass es sich um eine geradezu ikonische Kurzwaffe in Form der Walther P.38 handelt.  Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch zwei signifikante Auffälligkeiten. In den Lauf ist ein grob gefertigter, im Kaliber deutlich kleinerer Einsatz angepasst und der Laufhaltehebel, welcher auf der linken Seite des Rahmens vorn liegt, fehlt. Anstelle dessen klafft ein Loch. Auch der unter dem Lauf befindliche, für diesen Waffentyp so typische, Riegel fehlt. Stattdessen ist in voller Länge und über die ursprüngliche Mündung hinaus ein gezogenes Rohr eingesetzt worden. Die grobe Ausführung ist auffällig. Es handelt sich also mitnichten um einen Einstecklauf der Firma Walther für das Kaliber 4mm (M 20). Leider ist die Waffe defekt und im gespannten Zustand dauerhaft verhakt. Daher ist die überaus interessante Frage nach dem Verschluss und Ausführung des Schlagbolzens nicht zu beantworten. Das Magazin fehlt, wird aber in der aktuellen Konfiguration auch nicht benötigt, da es sich um einen Einzellader handelt. Wie das Ausziehen und Ausstoßen gelöst werden soll, ist ebenfalls unbekannt. Die Teile scheinen noch im ursprünglichen Zustand vorhanden zu sein. Das Kaliber ist ebenso ungewiss, wirkt die Mündung für .22 LfB doch etwas zu eng.

Die Mündung ist überaus grob ausgeführt

Fazit

Der desolate Zustand der Waffe erlaubt leider keine weiteren Untersuchungen. Zweifelsohne handelt es sich jedoch um eine Pistole, welche im Laufe ihres Lebenszyklus modifiziert wurde, unter anderem auch durch die grobe und sehr oberflächige Entfernung einiger Stempel. Der Grund dafür ist unbekannt. Vermutlich war die Waffe bereits defekt und die Anpassung an das einfacher zu beschaffende und billige Kleinkaliber erschien als Möglichkeit für die weitere Nutzung. Auch der Fundkontext ist sehr vage. Beschlagnahmt wurde sie an einer osteuropäischen EU Außengrenze. Interessant ist sie vor allem, da sie aufzeigt, wie lange solche Waffen, zuweilen auch stark modifiziert, relevant bleiben können und bis heute Abnehmer finden.

Quellen:

Bedienungsanleitung Selbstladepistole P 38 Kaliber 9 mm Parabellum, Carl Walther GmbH, Ulm-Donau

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Dokumenten Archiv: Technische Zeichnungen und Anschuss Scheibe FÉG R. 61

Text: Kristóf Nagy

Der zweite Teil unserer lose Serie von Dokumenten. Diesmal ein Konvolut von technischen Zeichnungen und eine Anschuss Scheiben der Selbstladepistole FÉG R. 61.

 

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Identifikationshilfe Surplus-Munition

Text und Bild: Kristóf Nagy und Benjamin Albrecht

Für viele Schützen ist die Nutzung sogenannter “Surplus Munition”- also aus militärischer Fertigung stammender, überschüssiger Munition – finanziell überaus interessant. Der Grund dafür ist recht offensichtlich. Bei durchaus anständiger und häufig konstanter Qualität sind diese Patronen für kleines Geld zu bekommen. Aber woher stammt diese Munition? Ist sie immer klar deklariert und wie kann man im Zweifel den Ursprung wirklich herauszufinden? Dieser Frage sind die Autoren dieses Beitrags anhand von Fallbeispielen nachgegangen.

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Dokumenten Archiv – Heckler & Koch Güteprüf- und Anschussblätter

Text: Kristóf Nagy

Mit diesem Beitrag beginnen wir eine weitere, lose Serie. Ziel ist es, interessante Dokumente aufzubereiten und als PDF kompakt zugänglich zu machen. In diesem Fall ein Konvolut von Güteprüfblättern und korrespondierenden Anschußscheiben aus den 1970er Jahren für das Heckler & Koch G3A4.

 

 

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