Author Archive Kristóf Nagy

RT-20 20×110mm Hispano Anti Material Rifle

Das 20mm Anti Material Rifle (AMR) RT-20 aus kroatischer Fertigung ist aus unterschiedlichen gründen ein Unikat. Daher wollen wir einen Blick auf diesen Entwurf werfen, dem außerhalb Kroatiens jeglicher Erfolg verwehrt blieb. Die Bezeichnung RT-20 steht für Ručni Top, zu Deutsch Handkanone. Diese Bezeichnung ist bei dem Gewicht und dem Kaliber des Systems auch durchaus zutreffend. Anfang der 1990er Jahre von METALLIC d.o.o.  in Rijeka entwickelt und anfänglich von RH Alan und heute von dem Rechtsnachfolger Agencija Alan angeboten, ist die RT-20 bis heute ein theoretisch in Fertigung befindliches Produkt.

Der Ansatz eine 20x110mm oder vergleichbare Patrone aus einem Gewehr zu verschießen ist sicherlich nicht neu. Die kroatischen Ingenieure wollten allerdings nicht eine Panzerbüchse des zweiten Weltkrieges duplizieren, sondern ein relativ kompakte und möglichst rückstoßarme Waffe entwerfen, deren primäre Aufgabe in der Bekämpfung von Optiken von Gefechtsfahrzeugen, z.B. der Wärmebildoptik des M-84 Panzers der Jugoslawischen Volksarme oder dem niederringen von leichter gepanzerten Schützenpanzern und dem Kampf gegen hinter Deckung befindlichen Feind lag.

Deutlich erkennbar: Das Bullpup Setup und die gewaltige Mündungsbremse.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die RT-20 als Bullpup Design ausgelegt. Die so erreichte Gesamtlänge von 1330mm ließt sich auf den ersten Blick als überraschend kurz. Die dabei erzielte Rohrlänge von 920mm ist für den gedachten Zweck ebenfalls ausreichend. Schwierig wird es bei den ergonomischen Herausforderungen an den Schützen bedingt durch die Ausführung der Waffe. Durch den Bullpup Entwurf ist der Kammerstängel am äußersten Ende der Waffe angebracht. Zum laden bzw. nachladen muss der Schütze die Waffe aus der Schulter nehmen und eine Position deutlich neben und/ oder hinter dem RT-20 einnehmen. Zur Entriegelung des mit drei Warzen versehenen Verschlusses muss dieser um 60° gedreht werden. Erschwert wird dieser Umstand durch die Tatsache, dass die Waffe kein internes Magazin hat und jede Patrone in den Einzellader separat eingelegt werden muss.  Ein Magazin hätte die mit Zweibein und Zielfernrohr bereits 17kg wiegende Waffe vollends überlastet und nicht mehr für einen einzelnen Schützen tragbar gemacht.

Als wirkungsvolle und weithin verfügbare Munition wurde die alt bewährte 20×110mm Hispano Patrone gewählt. Diese verfügt über zahlreiche Laborierungen von Spreng, Brand, Leuchtspur bis hin zu Panzerbrechend. Zudem erbte das kroatische Militär nicht unwesentliche Bestände dieser Patrone aus den Lagern der Jugoslawischen Volksarme.

Die Position des Kammerstengels und die der deutlich erkennbaren Gasdüse beeinträchtigen den Schützen und somit auch die Kadenz. 

Die oben erwähnte Masse reicht allerdings nicht aus, um den Rückstoß erträglich oder gar beherrschbar zu machen. Neben einer mehrkammrigen Mündungsbremse entschied man sich zusätzlich dazu, die Waffe wenigstens teilweise nach dem rückstoßfreien Prinzip zu gestalten. So wurde eine Gasabnahme vor der Patronenkammer, auf der Höhe des Abzuges angebracht. Die herausströmenden Gase werden über ein Rohr direkt auf der Waffe nach hinten geführt und treten dort durch eine trichterförmige Düse aus. Bei einer V0 von 850 m/s kann die angezapfte Gasmenge jedoch nicht so hoch sein, dass der Rückstoß vollständig egalisiert wird. Die beim Abschuss entstehende Signatur der Waffe ist im Zweifel recht groß, wenn zusätzlich zu dem Effekt vor der Mündung auch Staub, Laub oder Vergleichbares hinter der Waffe aufgewirbelt wird.  Zudem ist ein Einsatz in geschlossenen, beengten Räumen oder direkt vor einer Häuserwand nicht möglich. Ein weiterer Nachteil ist die zwangsweise seitlich verschobene Zielfernrohrmontage, da das Gasrohr über dem Schaft keinen Platz lässt. Als ZF kommt werksseitig ein Kahles K312 3-12×50 zum Einsatz.

Fazit

Die RT-20 ist neben der Denel NTW-20 die im Vergleich eher konservativ ausgelegt ist, mit 32kg Leergewicht aber fast das doppelt wiegt, das aktuell vom Kaliber leistungsfähigste, eingeführte DMR. Die angesprochenen Einschränkungen und daraus resultierenden Defizite haben einen kommerziellen Erfolg der Waffe bis heute verhindert. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass das Rt-20 bis heute aktiv angeboten und vermarktet wird.

Technische Daten:

Kaliber: 20×110mm Hispano

Länge: 1330 mm

Rohrlänge: 920 mm

Gewicht leer  mit ZF und Zweibein: 17000g 

Reichweite: bis zu 2000m (kann je nach Munition abweichen)

V0: 850 m/s (kann je nach Munition abweichen)

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Das AR15 Buffer Feder Paradoxon

Wahrlich ein hochtrabender Titel, aber drunter machen wir es nicht! Spaß beiseite, eine aktuell durchgeführte Wartung an einem AR15 hat uns dazu bewogen diesen kurzen Post anzufertigen. Grund für die Maßnahme war ein immer wieder auftauchendes, unvollständiges Verriegeln, welches mit steigendem Verschmutzungsgrad zunahm. Im Folgenden sollen die dazu getätigten Überlegungen kommentiert wiedergegeben werden.

Als Erstes wurde eine ausführliche Reinigung der Patronenkammer mit einer Chamber Brush vorgenommen. Dies führte zu einer leichten, aber wahrscheinlich nur subjektiven Verbesserung. Schließlich handelt es sich um eine gut gewartete und regelmäßig gereinigte Waffe. Als logische Konsequenz wurde daraufhin der Austausch der Verschlussfeder in Angriff genommen. Diese ist bei dem AR15 System deutlich versteckter und damit hierzulande weniger im Bewusstsein des Nutzers. Die Gute Nachricht lautet, dass die sogenannte Buffer Feder ein überaus günstig zu ersetzendes Element ist. Qualitativ hochwertige Chrom/ Silikon beschichtete Federn gibt es bereits für unter 10€.

Hinter dem Retainer Pin liegt der Buffer mit Feder.

Die erste Frage lautet allerdings: Habe ich eine Rifle oder eine Carbine/ M4 Spring. Die Antwort kann jeder selber ermitteln, indem er die Feder aus dem Buffer Tube entnimmt und die Windungen zählt. Zwischen 37 und 39 Windungen und einer durchschnittlichen Länge von um die 26cm liegt eindeutig eine Carbine oder auch M4 Feder vor. Ist die Feder um die 30cm lang und hat 41 bis 42 Windungen, so hat man definitiv eine Rifle Spring vor sich.

Konsultiert man die Fachliteratur, dann wird die Länge der Feder häufig als Indikator benannt, welcher dem Nutzer anzeigt, dass es Zeit wird die dauerhaft komprimierte Feder zu tauschen. Und hier kommt nun das eingangs erwähnte Paradoxon zu tragen. Diese Faustregel ist nicht immer zutreffend. In unserem Fall war die neue Feder (siehe Bild) um einige Millimeter kürzer als die deutlich gebrauchte und das bei der gleichen Anzahl an Windungen. Relevant ist daher die Spannkraft und nicht die Länge. Nach Einbau der neuen Feder ist die Waffe auch bei zunehmender Verschmutzung wieder zuverlässig nutzbar.

Links die neue und kürzere, rechts die längere, deutlich gebrauchte Feder.

Fazit

Faustregeln sind schön und gut, aber nicht immer zutreffend. Federn sind billig und verantwortlich für das Absorbieren der Energie in der Waffe was sich direkt in eine längere Lebensdauer des Gesamtsystems übersetzen läßt. Daher tausche sie regelmäßig und proaktiv und verlasse Dich nicht auf „Längenvergleiche“, denn diese sind selten hilfreich.

Herzlichen Dank an die Albrecht & Beck Handelsgesellschaft GbR für die Unterstützung:

https://www.vdb-waffen.de/de/mitglieder/waffen-fachgeschaefte/albrecht_und_beck_handelsgesellschaft_gbr.html?s=1

 

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Kalashnikov USA KR103 Walk Around

Die KR103 (im Gegensatz zur AK-103 ohne Bindestrich) von Kalashnikov USA ist eine vollständig in den Vereinigten Staaten  gefertigte AK-103 und in jeder Hinsicht kompatibel mit allen ursprünglichen AKM/AK-74 Schaftelementen und Anbauteilen aus sowjetischer Fertigung. Technisch keine Überraschung, ist die Güte der Fertigung und Ausführung beachtlich. Dennoch soll dieser Beitrag nicht einen weitere AKM Klon vorstellen. Vielmehr geht es darum die Waffe in ihrer ursprünglichen Form mit allen, aktuell bekannten Markierungen, Stempeln und Herstellerzeichen zu dokumentieren.

Die werksseitig angebrachten Stempel befinden sich auf der linken Waffenseite. 

Hier die Nahaufnahme mit Blick auf die Markierungen an dem ebenfalls von Kalashnikov USA gefertigten Polymermagazin.

Es liegt daher in der Natur der Sache, dass dieser Beitrag eher bildlastig daherkommt. Durch den Austausch mit Vertretern von Kalashnikov USA wurde schnell klar, dass der primäre Markt außerhalb der USA liegt und sehr wohl bereits Bestellungen aus dem behördlichen Bereich aus Asien vorliegen. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die KR103 Gegenstand einer wie auch immer gearteten Proliferation wird. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits lokale Modifikationen und unterschiedliche, zusätzliche Markierungen in Form von z.B. Stempeln die Waffe von außen und ihre internen Bauteile „schmücken“ ist durchaus möglich. Umso wichtiger ist es für die Identifikation von ganzen oder Teilkomponenten den Urzustand hier als Vergleichselement zu dokumentieren.

Noch haben Teilkomponenten wie Verschlusskopf oder Träger keine eigenen stempel. Dies kann sich aber in Zukunft bei der Einführung im behördlichen Kontext schnell ändern. 

Selbst die Gestaltung der Visiermarken folgt der original AK-103. 

Technische Daten:

Kaliber: 7,62×39 mm

Lauflänge: 415 mm

Visierlänge:  mm

Höhe:  191 mm

Breite:  66 mm

Länge: 934 mm

Gewicht leer 3400 g 

Magazinkapazität: 30 Patronen

Maxim Defense PDX

Das Unternehmen Maxim Defense wurde durch Klappschäft und Anbauteile für Waffen bekannt. Angespornt durch das SOCOM PDW Program entwickelte das in Minnesota ansässige Unternehmen die PDX in den Kalibern 5,56×45mm und 7,62x39mm, mit dem Ziel ein überaus kompaktes Gesamtpaket aus aussen- und zielballistischer Effiziente in den häufigsten, in Konfliktregionen vorhandenen Kalibern zu schaffen. Ein Großteil der Fertigung erfolgt dabei im eigenen Hause. Nur die Läufe werden von FN oder im Falle von Behördenkunden von Daniel Defense hinzugekauft.

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FN Herstal 303 .68 Geschosse

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die hier vorliegenden Geschosse werden ausschließlich von FN Herstal für ihr FN 303 Less Lethal Systems, bestehend aus dem FN 303 Launcher und der FN 303-P gefertigte. Aktuell sind fünf verschiedene Sorten im Angebot, die sich nur durch eine Zuladung aber nicht in Form, Gewicht, ballistischer Leistung oder grundlegender Funktion unterscheiden.

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Smith & Wesson Chemical Company 37mm Model 276 Gas Gun

Bild und Text: Kristóf Nagy

Über den hier vorliegenden 37mm Werfer wissen wir fast nichts. Das was bekannt ist, wurde in diesem knappen Beitrag zusammengetragen. Die Smith & Wesson Chemical Company gibt es nicht mehr. Auch ist nicht bekannt, in welchem Zeitraum das Model 276 bzw. 210/276 gefertigt wurde. Nur eins ist gewiss: Diese Werfer sind existent und werden auf der ganzen Welt zuweilen bis heute benutzt.

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B&T SIR 40 x 46 mm

Bild und Text: Kristóf Nagy

Non oder eher Less Lethal Munition ist nicht erst seit dem G20 Gipfel in Hamburg oder den aktuellen Unruhen in Hongkong und weiten Teilen Südamerikas in aller Munde. Seit Jahrzehnten bemühen sich Hersteller präzise und effektive Wirkmittel zu fertigen, welche aus unterschiedlichen Plattformen zuverlässig verschossen werden können. Dabei liegt der Zielkonflikt offenkundig im Bereich Wirkung und Präzision auf der einen und minimale, bleibende Schäden bei der getroffenen Person. Heute sehen wir uns den Lösungsansatz der B&T AG, vormals Brügger & Thomet AG in Form der SIR 40 x 46 mm Patrone an.

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B&T Veterinärpistole VP9

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die B&T VP9 kann ihre Abstammung von der legendären Welrod Pistole nicht verbergen. Sind doch grundlegende Funktionsprinzipien identisch, wurden aber von der Schweizer Waffenschmiede technologisch und ergonomisch in das 21. Jahrhundert gehoben. Entstanden ist eine moderne und überaus leise Pistole mit interessanten Lösungen, welche sowohl dem Veterinär als auch Spezialkräften ein Mittel zum diskreten Ausschalten von Tieren wie z.B. Wachhunden gibt. 

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Arcus 40 UBGL 40x46mm Granatwerfer

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die Firma Arcus aus Bulgarien konzipierte bereits zahlreiche Granatwerfer bzw. fertigte diese und die dazu gehörige Munition in Lizenz. Heute finden sich in dem Portfolio des Rüstungsunternehmens gleichwohl Entwürfe aus der ehemaligen Sowjetunion wie auch Granaten und Werfer die, jedenfalls im Kaliber, westlichen Ursprungs sind.  

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Mehrzweckwerfer der Polizei Hong Kong

Tilelbild: Lam Yik Fei

Text: Kristóf Nagy

Die Bilder von den Unruhen in der ehemaligen, britischen Kronkolonie Hong Kong gehen nunmehr seit Wochen um die Welt. Ein geeigneter Moment um sich die Ausstattung der Polizei, welche im Ordnungsdienst eingesetzt wird genauer anzusehen. Der Schwerpunkt dieses Beitrags soll darin liege, die verwendeten Mehrzweckwerfer zu identifizieren und kurz zu beschreiben, sowie in knapper Form den Hintergrund ihrer Beschaffung einzuordnen.

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