Category Archive Munition

Identifikationshilfe Surplus-Munition

Text und Bild: Kristóf Nagy und Benjamin Albrecht

Für viele Schützen ist die Nutzung sogenannter “Surplus Munition”- also aus militärischer Fertigung stammender, überschüssiger Munition – finanziell überaus interessant. Der Grund dafür ist recht offensichtlich. Bei durchaus anständiger und häufig konstanter Qualität sind diese Patronen für kleines Geld zu bekommen. Aber woher stammt diese Munition? Ist sie immer klar deklariert und wie kann man im Zweifel den Ursprung wirklich herauszufinden? Dieser Frage sind die Autoren dieses Beitrags anhand von Fallbeispielen nachgegangen.

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Federal Spedeheat 206, Flite Rite 230 und 232 Tränengasgranate

Text: Kristóf Nagy

Bilder: Sofern nicht im Untertitel bezeichnet Kristóf Nagy

Die Verwendung von Tränengas geht zurück auf den Beginn des ersten Weltkrieges. Bereits ab 1919 entwickelte das United States Army Chemical Corps ein spezielles Reizstoffgas für den Ordnungsdienst. Spätestens mit den Unruhen der 30er Jahre begann der rasante Aufstieg dieses Wirkmittels. Den stetig wachsenden Markt für Ausbringungsmöglichkeiten an Tränengas im polizeilichen Kontext dominierten in den USA zwei Unternehmen. Neben der Lake Erie Chemical Company etablierte sich das Federal Laboratories aus Pennsylvania als zuverlässiger Lieferant für Produkte rund um Mittel zur weniger letalen Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers. Eines der kuriosesten Entwicklungen in diesem Bereich stellten zweifelsohne die Wirkmittel dar, welche auf hohe Distanz und zum Durchdringen von Material ausgelegt wurden. In diesem Beitrag sollen genau diese Wuchtgeschosse mit Reizstoffnutzlast aus der Produktion von Federal Laboratories exemplarisch betrachtet werden.

Federal Spedeheat 206

Die Spedeheat 206 Granate wurde ab Mitte der 60er Jahre gefertigt und bildete das Fundament des weltweiten Verkaufserfolgs dieser Kategorie von Munition für das Herstellerunternehmen. Sie war für Werfer im Kaliber 37/38mm ausgelegt und herstellerunabhängig verschussfähig. Als Reizstoff kam der heute als veraltet geltende Wirkstoff CN (Chloracetophenon) zum Einsatz, welcher seinen Ursprung noch im 19. Jahrhundert hat. Konstruktiv war das Geschoss so ausgelegt, dass nach dem Verschuss ein Brennzünder mit einer Verzögerung von 3 Sekunden aktiviert wurde. Nach dem Abbrand der Verzögerungsladung wurde die 42g betragende Wirkstoffladung aus mehreren Öffnungen im Geschosskörper über einen Zeitraum von 30 Sekunden in die Atmosphäre ausgeblasen. Eine Fragmentation oder gar Explosion der Granate war ausgeschlossen. Die maximale Schussweite lag im Bogenschuss bei etwa 150m. Der Aluminiumkörper erhitze sich allerdings dermaßen, dass nach dem Einschlag eine deutliche Brandgefahr davon ausging.  Neben der bereits erwähnten CN Beladung wurde unter der Bezeichnung 506 auch eine moderne, CS (Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril) befüllte Version mit identischen Parametern hergestellt. Trotz der spitzen Geschossform und einer Mündungsgeschwindigkeit von etwa 70 m/s erwies sich das Projektil als instabil und überschlug sich häufig im Flug, was negative Einfluss auf Präzision und Reichweite hatte.

Schematische Darstellung der Federal Spedeheat 206, Bildquelle: Thomas S. Crockett, POLICE CHEMICAL AGENTS MANUAL

Federal Flite Rite 230

Mit der 230er Granate erhöhte Federal die maximale Schussweite des Wirkmittels drastisch auf über 300m. Erreicht wurde dies unter anderem mit einer reduzierten Wirkstoffladung von nur noch 35g CN und drei nach dem Abschuss seitlich ausklappender Stabilisatoren. Diese kleinen Flügel versetzten das Geschoss in Rotation und erzeugten so durch Drallstabilisierung eine deutlich höhere Präszision und Flugweite. Auf diese Maximaldistanz war ein präzises Treffen jedoch nicht möglich. Als sinnvolle Schussweite zum Durchdringen von Hindernissen gab der Hersteller eine Entfernung von 70m an. Auf diese Distanz war die Granate in der Lage einfachverglaste Fenster zu durchschlagen. Gegen festere Materialien, wie z.B. 19mm Sperrholz war die Granate noch auf 45m effektiv. Neben dem auf drei Sekunden kalibrierten Verzögerungssünder blieb auch die von der 206 bekannte, latente Brandgefahr nach dem Verschuss. Interessanterweise sank die Mündungsgeschwindigkeit auf nur noch 55 m/s. Unter der Bezeichnung Federal Flite Rite 530 stand ebenfalls eine CS befüllte Version mit ansonsten identischen Merkmalen zur Verfügung.

 

Schematische Darstellung der Flite Rite 232 mit ausgeklappten Flügeln, Bildquelle: Thomas S. Crockett, POLICE CHEMICAL AGENTS MANUAL

Federal Flite Rite 232

Mit dieser Serie sollten sämtliche Probleme der vorherigen Produktvarianten behoben werden. Die bewerte, präzisionssteigernde Drallstabilisierung wurde beibehalten. Der Verzögerungszünder wurde jedoch zugunsten eines Aufschlagzünders ausgetauscht. Hiervon versprach man sich eine instantane Wirkung auch bei geringeren Distanzen und eine Herabsetzung des Brandrisikos. Zudem wurde die Art der Ausbringung des Reizstoffes verändert. Anstelle eines verzögerten Ausgasens innerhalb von etwa 30 Sekunden erfolgte bei der 232 die Abgabe blitzartig in wenigen Sekunden.

Fazit

Die Wuchtgeschosse von Federal für 37/38mm Werfer sind keine alleinstehende Entwicklung. Auch andere Unternehmen produzierten vergleichbare Reizstoffgranaten. Diese gab es nach dem gleichen Prinzip auch für Gewehrgranaten in zuweilen deutlich größerem Kaliber und mit mehr Wirkladung. Granaten und Werfer im behandelten Kaliber sind heute zumeist durch 40mm Plattformen verdrängt worden. Trotzdem finden sie sich bis heute, zuweilen auch in europäischen Polizeibeständen Waffen dieser Art, welche immer noch aktiv verwendet werden. Wer sich für die Werfer zum Einsatz solcher Tränengasgeschosse interessiert, dem sei der Blogbeitrag zur Smith & Wesson Chemical Company 37mm Model 276 Gas Gun empfohlen.

Quelle:

Thomas S. Crockett, POLICE CHEMICAL AGENTS MANUAL, Washington 1969

Wir danken Paul Skon für die Unterstützung!

Identifikationshilfe – Munitionsbehältnisse Volksrepublik China

Text: Kristóf Nagy mit Darius Hoflack

Bild: Darius Hoflack

Nach der Identifikationshilfe für Länder des ehemaligen Warschauer Paktes folgt eine PDF Taschenkarte, welche einen Einblick in die diffuse Welt chinesischer  Munitionsbehältnisse bietet. Anzumerken ist, dass die zahlreichen Fabriken der Volksrepublik in den letzen Jahrzehnten immer wieder von der gängigen Praxis abwichen und die vorliegende Version nur eine von vielen, möglichen ist.

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Identifikationshilfe – Munitionsbehältnisse des Warschauer Paktes

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die Identifikation von Munition ist zuweilen eine fordernde Aufgabe. Liegen die Patronen nicht einzeln, sondern in einer Umverpackung vor, so kann es noch schwieriger werden. Gerade die Munitionsbehältnisse des ehemaligen Warschauer Paktes sind mit Markierungen versehen, welche nichts mit dem CIP Standard zu tun haben und auf den westlichen Betrachter zuweilen verwirrend wirken. Die hier vorliegende Identifikationshilfe in Form einer PDF Taschenkarte soll daher etwas Licht in das Dunkel zu bringen.

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FN Herstal 303 .68 Geschosse

Bild und Text: Kristóf Nagy

 

Die hier vorliegenden Geschosse werden ausschließlich von FN Herstal für ihr FN 303 Less Lethal Systems, bestehend aus dem FN 303 Launcher und der FN 303-P gefertigte. Aktuell sind fünf verschiedene Sorten im Angebot, die sich nur durch eine Zuladung aber nicht in Form, Gewicht, ballistischer Leistung oder grundlegender Funktion unterscheiden.

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B&T SIR 40 x 46 mm

Bild und Text: Kristóf Nagy

 

Non oder eher Less Lethal Munition ist nicht erst seit dem G20 Gipfel in Hamburg oder den aktuellen Unruhen in Hongkong und weiten Teilen Südamerikas in aller Munde. Seit Jahrzehnten bemühen sich Hersteller präzise und effektive Wirkmittel zu fertigen, welche aus unterschiedlichen Plattformen zuverlässig verschossen werden können. Dabei liegt der Zielkonflikt offenkundig im Bereich Wirkung und Präzision auf der einen und minimale, bleibende Schäden bei der getroffenen Person. Heute sehen wir uns den Lösungsansatz der B&T AG, vormals Brügger & Thomet AG in Form der SIR 40 x 46 mm Patrone an.

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Volkshandgranate Spl

Text und Bild: Paul-Patrick Schröder

Als sich das Dritte Reich seinem Ende näherte und die Fronten immer näher an Deutschland heran rückten, wurden teils innovative, teils überausaus verzweifelte Anstrengungen unternommen, um den Ausstoß an Waffen und Gerät zu erhöhen und so mit dem Volk unter Waffen die alliierten Gegner aufzuhalten. Einer der eher unbekannten Vertreter der damals in der zweiten Jahreshälfte 1944 entwickelten Nahkampfmittel soll hier vorgestellt werden: Die Volkshandgranate Spl.

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5.45×18mm

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die Arbeiten an der Patrone 5.45×18mm, welche den GRAU – Index 7n7 bekam, begann Anfang der 1970er Jahre unter der Leitung von Antonina Dmitrijewna Denissowa im Zentralen Forschungsinstitut für Präzisionsmechanik und Maschinenbau (TsNIITochMash) in Klimovsk. Ziel war es eine überaus kompakte Patrone zu entwerfen, welche aus der zeitgleich entwickelten Pistole PSM (Pistolet Samozaryadny Malogabaritny) verschossen werden konnte. Gefertigt wurde die Patrone von den Tulaer Waffenwerken (Tulski Oruscheiny Sawod).

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RWS .22 LfB Schrot

Bild und Text: Kristóf Nagy

Zu unserem heutigen Thema lässt sich eigentlich nicht viel sagen, außer: VORSICHT! Der Schein trügt. Findet man die Patrone ohne die Umverpackung auf, so erscheint sie dem ungeübten Auge als klassische Kartuschenmunition. Ist doch der Hülsenmund gecrimpt und kein Geschoss zu erkennen. Anstelle von einem reinen Knall oder sogar Reizstoff beherbergt dieses Laborat eine kleine Schrotladung.

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7,62x39mm M 43 Hochdruck Patrone

Bild und Text: Kristóf Nagy

Die M43 Hochdruckpatrone ist bis heute legendenumwoben und ein Quell zahlreicher Missverständnisse und falscher Behauptungen. Um so wichtiger ist es, sich diesem Thema mit aller Ernsthaftigkeit zu nähern und die möglichen Gefahren zu beleuchten. Daher das Wichtigste gleich zu Beginn: Diese Patrone darf auf keinen Fall aus einer Waffe mit dem Kaliber 7,62x39mm verschossen werden! Warum das so ist und welche interessanten Fakten sich noch hinter diesem Laborat verbergen, soll dieser Artikel beleuchten.

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