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Trockentraining: Eine Analyse

Von Christoph von Forstner und Kristóf Nagy

Durch die aktuelle Situation ist das Training auf Schießbahnen für die Masse der Großkaliberschützen im nicht dienstlichen Umfeld faktisch unmöglich. Höchste Zeit, sich den Themenkomplex Trockentraining genau anzuschauen. Des Weitern sollten die gewonnenen Erkenntnisse auch in Zukunft, wenn die Stände wieder öffnen, nicht vergessen werden. Ist Trockentraining doch eines der wichtigsten Mittel für den Erhalt von grundlegenden Fähigkeiten. Wir haben uns daher entschieden für Euch ein mit simpelsten Mitteln immer wieder reproduzierbares Ziel zu erstellen, welches einfach mit einem handelsüblichen Drucker auf einer einzigen A4 Seite Platz findet.

ACHTUNG! Vor jedem Trockentraining mit einer Feuerwaffe ist diese zu entladen und Sicherheit herzustellen! Beim Trockentraining ist zudem die strikte, räumliche Trennung von Munition und Trainingsort zu beachten. Die vier Sicherheitsregeln behalten weiterhin Bestand.

  1. Jede Waffe ist immer geladen.
  2. Der Finger berührt den Abzug erst, wenn ich die bewusste Entscheidung zum schießen getroffen habe.
  3. Meine Mündung überstreicht nichts, was ich nicht auch treffen möchte.
  4. Ich kenne Mein Ziel, und weiß, was davor, dahinter und daneben ist.

Leitfaden für ein gelungenes Trockentraining und Hilfsmittel gibt es viele auf dem Markt. Ziel dieses Beitrages soll es sein anhand eines konkreten Beispiels Vor- und Nachteile, bzw. Stolpersteine im Trockentraining zu beleuchten und zum Nachdenken anzuregen.

Als Grundlage für unsere Betrachtung dient die Disziplin Halbautomatische Dienstpistole P-D2 aus der Schießsportordnung des VdrBw. Hierzu haben wir ein kostenfrei downloadbares Ziel entwickelt. Wichtig war uns zudem eine Trainingsmöglichkeit zu schaffen, welche auch in beengten Räumlichkeiten umsetzbar ist. Zudem sollte bei der Nutzung von Trainingsmitteln wie Airsoft oder Laser noch eine brauchbare Präzision und gute Trefferaufnahme möglich sein.

Hier geht es zum kostenlosen Download!

Verkürzter Ablauf der Übung Halbautomatische Dienstpistole – P – D 2 

  • Waffe: Dienstpistolen laut Sportordnung
  • Scheibe: T-Scheibe Bw 10.7. (in unserem Fall in der Größe angepasst, siehe Downloadlink unten)
  • Scheibenentfernung: Vom hinteren Rand der Entfernungslinie gemessen beträgt die Entfernung zur Scheibe 25 m / 20 m / 16 m. In unserem Fall wird jedes Ziel auf 3m beschossen. Die Entfernung wird durch die Skalierung der Zielgrößen simuliert.
  • Stehend freihändig, beidhändig Die Waffe wird auf Weisung der Aufsicht auf den jeweiligen Stationen (25 m, 20 m, 16 m) geladen, entspannt / gesichert und geholstert.
  • Schusszahl: 16 Schuss Wertung
  • Ablauf:

Station 1: 25 m: 4 Schüsse in 10 sec. Auf Start oder Tonsignal  gibt der Schütze einen Schuss in die Bravo-Zone und dann einen Schuss in die Alpha-Zone der Scheibe ab. Dies wird innerhalb der 10 Sekunden einmal wiederholt. 

Station 2: 20 m: 6 Schüsse in maximal 1 Minute. Auf Start oder Tonsignal gibt der Schütze je einen Schuss auf die T-Scheibe in die linke Delta-Zone, einen Schuss in die rechte Delta-Zone und dann einen Schuss in die Charly-Zone ab. Das Ganze wird einmal wiederholt.

Station 3: 16 m: 6 Schüsse in 30 sec. Auf Start oder Tonsignal  gibt der Schütze 6 Schuss innerhalb der 30 Sekunden auf die T-Scheibe in die Ringziele 3 auf das linke Ziel und 3 auf das rechte Ziel ab, wobei nach jedem Schuss das Ziel gewechselt werden muss (keine Doppelschüsse).

Die Einschränkungen des klassischen Trockentrainings werden umgehend klar. Durch die Notwendigkeit des erneuten Spannens, kann der Schießrhythmus bei der Station 1 und 3 nicht abgebildet werden. Zudem fehlt das Element der Rückstossverarbeitung und des Abzugresets, welches im Verbund mit dem Zielwechsel die wesentlichen Trainingsinhalte darstellen. Die Station 2 mit ihrer sehr komfortablen Schießzeit wiederum ist auch als reine Trockenübung umsetzbar. Ein weiterer Vorteil der Nutzung einer Dienstpistole ohne weitere Hilfsmittel liegt in der Reproduktion und Verinnerlichung des korrekten Haltepunktes, der trotz Zielverkleinerung identisch zur realen Übung bleibt. Dieser muss allerdings vorher zweifelsfrei im scharfen Schuss ermittelt und festgehalten worden sein. Wer diesen nicht kennt, wird unter Umständen einen fatalen Fehler begehen und ein falsches Muskelgedächtnis antrainieren.

Diese Gefahr begleitet uns auch bei den anderen Varianten, welche wir an unserem Zielmedium betrachten wollen. Die Nutzung von gasbetriebenen Airsoft und C02 Trainingswaffen mit Bedienelementen und einer Haptik, die Dienstwaffen bis in das kleinste Detail gleichen, ist kein neues Phänomen. Was bei Anwendungen wie Force on Force Training kaum ins Gewicht fällt, in unserer Betrachtung jedoch an Signifikanz gewinnt, ist die Außenballistik. Der Zielkonflikt wird schnell klar. Handelsübliche Airsoftpistolen erlauben bei kleinen Trefferflächen nur kurze Distanzen. Das Projektil kann auf die geringe Entfernung allerdings nicht soweit aufsteigen, dass es den Haltepunkt realistisch abbildet. Waffen mit einstellbaren Hopup können unter Umständen das Problem etwas mindern. Das Ergebnis ist, dass über dem Ziel angehalten werden muss. Auch hier droht das Antrainieren eines falschen Muskelgedächtnises. Positiv wirkt sich die Unterbrechung durch den repetierenden Verschluss aus, welcher die erneute, visuelle Aufnahme der Visierung erzwingt und auch das eingeschränkte trainieren des Zielwechsels ermöglicht.

Fazit

Selbstverständlich ist das Zielmedium auch mit Trainingslasern oder einer Luftpistole nutzbar. Wichtig ist das Bewusstsein dafür, was man übt und warum. Die Trainingseinheit sollte mental vorbereitet werden. Dabei erzwingen die oben erwähnten Limitationen eine bewusste Berücksichtigung, sodass nicht falsche Abläufe antrainiert werden. Kurzum: Bleibt gesund und trainiert weiter fleißig, aber bedenkt die oben erwähnten Einschränkungen.

 

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