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Experimentelles Bullpup Gewehr Model 1945

Text: Kristóf Nagy

Bilder: In der Bildunterschrift bezeichnet, Titelbild US Signals Corps/ National Archives

Dieser Beitrag startet eine neue Kategorie in unserem Blog. Handelt es sich doch nur um einen Prototyp und keine eingeführte Waffe. Auch ist der Kenntnisstand um das Model 45A und erst recht die Version B recht spärlich. Ziel dieses Artikels soll es sein die Puzzle Teile rund um dieses faszinierende Projekt, welches in Vergessenheit geraten ist, zusammenzutragen und eine eingeschränkte Bewertung vorzunehmen.

Über die Entstehung der Waffe, in Manila kurz nach dem Ende des Krieges. ist bereits einiges publiziert worden. Die heute zirkulierenden Bilder aus dem National Archive entstanden ebenfalls in der von heftigen Kämpfen stark zerstörte Hauptstadt der Philippinen. Bot diese doch eine geradezu perfekte Kulisse. Die dringlichste Frage bezüglich des Model 45 Gewehrs jedoch ist, ob die Entwicklung jemals den Stand eines funktionsfähigen Prototyps erreicht hat, oder auf dem Niveau eines reinen Mock Up stehenblieb. Bei der Bewertung der genannten und auch diesen Beitrag illustrierenden Bilder kommen die meisten internationalen Experten zu dem gleichen Schluss: Die Auslegung der Waffe als Bullpup Konstruktion und die Integration einer Zieloptik in den Tragegriff war zukunftsweisend. Der abgebildete Gegenstand wird zumeist jedoch als schießunfähiger Demonstrator identifiziert. Für diese Auffassung spricht unter anderem die überaus grobe Ausführung des Gehäuses. Die Anzahl der Bilder, welche an mehreren Orten und mindestens zwei Terminen stattfanden, ist jedoch beachtlich und spricht dafür, dass entsprechende Stellen ein Interesse daran hatten den Entwurf zu bewerben.

Model 45A in den Ruinen von Manila 1945, US Signals Corps/ National Archives

Ansonsten wissen wir wenig über die Waffe. Die Munitionszuführung wurde mit einem Browning Automatic Rifle Magazin gelöst. Dies lässt vermuten, dass die Waffe im Kaliber 30-06 Springfield projektiert wurde. Zudem war die Möglichkeit zum Vorschuss von Gewehrgranaten vorgesehen. Ebenfalls wurden unterschiedliche Trageweisen und Anschlagsarten erprobt, auch unter Zuhilfenahme des Tragegriffes. So zeigt das eine Bild eindeutig einen Deutschuss Anschlag.

Teile des mutmaßlichen Entwicklungsteams, US Signals Corps/ National Archives

Bleibt die Frage nach dem Konstrukteur oder Konstruktionsteam hinter der Waffe. Lange Zeit gab es nur ein Foto von einer Gruppe mit einem Model 45A auf einem Schreibtisch. Konkrete Namen sind jedoch nicht bekannt gewesen. Erst mit Erscheinen eines wenig beachteten YouTube Videos im Frühjahr 2018 kam wieder Bewegung auf:

Der Autor erläutert darin den Erwerb eines Briefes, welcher offenkundig Teil der Korrespondenz zwischen dem mutmaßlichen Konstrukteur der Waffe und einem Freund darstellt. Beachtlich an dem Brief ist, dass er eine Weiterentwicklung der Waffe zur Version Model B beschreibt und auch eine Einordnung in die Kategorie leichtes Maschinengewehr vornimmt. Die Weiterentwicklung zeigt sich maßgeblich in einem neuen Gehäuse mit integriertem Schaft, welcher vollständig in Prägetechnik ausgeführt wurde. Dies belegen die beigelegten Bilder, welche auf dem Testgelände von Aberdeen entstanden sein sollen. Von besonderer Bedeutung sind die Detailaufnahmen der teilweise zerlegten Waffe. Einen wirklichen Beleg für die Funktionsfähigkeit stellen sie allerdings nicht dar. In der Tat werfen sie nur noch mehr Fragen auf, wenn man sich die Beschriftung der Komponenten ansieht. So ist z.B. das Auswurffenster für das Kaliber deutlich zu klein bemessen. Auch fehlen aus waffentechnischer Sicht wesentliche Teile wie ein Verschlussträger oder Verschlusskopf.

Seitenansicht des Model 45, Screenshot aus dem Video von A Humbel Collector.

Die Beschriftung der Komponenten wirft einige Fragen auf. Screenshot aus dem Video von A Humbel Collector.

 

Fazit:

Über den Verbleib der Prototypen ist nichts bekannt. Wurde das Model 45A überhaupt von Manila nach Aberdeen gebracht, oder handelte es sich um Neufertigungen? Das US Army Ordnance Museum, welches die in Aberdeen erprobten Waffen aufbewahrt, hat keine Dokumente, geschweige denn Waffen oder Teile davon in ihrem Bestand. Es ist daher davon auszugehen, dass sich hier vorerst die Spur des Model 45 Gewehrs verliert. Was bleibt ist eine faszinierende Geschichte einer modernen Idee am Ende des Krieges, welche vermutlich nicht einmal soweit kam wie die anderen Bullpup Konzepte der damaligen Zeit, namentlich das EM-2 oder das T31 Light Rifle von John Garand.

Quellen:

Tom Laemlein, The Incredible U.S. Model 45A. Small Arms Review, January 2010

Tom Laemlein, US Model 45A in https://www.forgottenweapons.com/us-model-45a/

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