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AirTronic PSRL-1 – Die RPG aus Texas

Text: Kristóf Nagy

Bild: AirTronic USA LLC und Arsen Avakov/ Yulia Babych

Die RPG-7 mit weltweit über 9 Millionen gefertigten Exemplaren ist die vermutlich erfolgreichste Panzerabwehrhandwaffe in der Geschichte dieser Waffenkategorie. Spätestens seit dem Krieg gegen den Terror ist die handliche, robuste und rückstoßfreie Waffe auch für westliche Soldaten nicht mehr fremd. In den neuen NATO Mitgliedsländern des ehemaligen Ostblocks gehört sie noch teilweise zur Bewaffnung, oder wird wie in Bulgarien sogar noch gefertigt. Die Schaffung einer modernisierten Version westlicher Provenienz ist daher auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Der initiale Funke für die Entwicklung war der Bedarf innerhalb der US SOCOM Gemeinde für ein sicheres Wirkmittel, welches rückwärtskompatibel mit den riesigen Mengen an weltweit verfügbarer Munition für diesen Waffentyp ist und mit geringem Ausbildungsaufwand verbündeten Kräften eine Kampfwertsteigerung bot. Basierend auf dieser Forderung entwickelte die in Spring Branch, Texas ansässige Firma Airtronics den Precision Shoulder-Fired Rocket Launcher, kurz PSRL-1 und die dazugehörige Munition.

 

Seitenansicht mit montiertem 3×24 Sightmark Wolfhound (AirTronic USA LLC)

Abmessungen und Gewicht sind dabei fast identisch mit dem Original. Auch die Ergonomie und das Setup sind bedingt durch die Funktionsweise der Waffe unverändert. Einzig der Magpul Pistolengriff fällt ins Auge. Durch die Vielzahl an Picatinny-Schienen ist jedoch neben der klappbaren, offenen Visierung die Montage unterschiedlicher optischer und optronischer Zielhilfen möglich. So wird vom Hersteller das 3×24 Sightmark Wolfhound oder das 3,5×35 Trijicon ACOG TA11 mit einem der RPG-7 Munition angepassten Absehen und Haltemarken für die unterschiedlichen Entfernungen angeboten. Mit dem Pulsar Trail XP-30 steht zudem ein Wärmebildzielgerät mit einer Reichweite von 500 m zur Verfügung. Das 2016 bei der Vorstellung der Waffe gezeigte Eotech Reflexvisier wird dagegen heute nicht mehr angeboten. Dafür jedoch zahlreiche Transportbehältnisse für Waffe und Munition, sowie ein Harris Zweibein.

 

Blick auf das Harris Zweibein und die Stempel an der Vorderseite des Werferrohres (AirTronic USA LLC )

Gut erkennbar: Aufgeklappte Visierung, Sicherung, Abzug und Schlagstück (AirTronic USA LLC )

Munition

Als Beitrag zur Betriebssicherheit in der Fremdwaffenausbildung ist die Fertigung der passenden Munition zu sehen. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass diese nicht nur mit der PSRL-1, sondern allen anderen RPG-7 Varianten rückwärtskompatibel sein muss. Als primäre Munitionssorte wird die SR-1 im Kaliber 93mm gefertigt. Die Hohladung (HEAT) hat eine Durchschlagsleistung von 500mm Panzerstahl (RHA). Damit entspricht sie der Ende der 70er Jahre eingeführten PG-7VL, welche als Kampfwertsteigerung die früheren Munitionsorten ablöste und seitdem eine weite Verbreitung erfuhr. Zudem sind noch mit Markierungssätzen versehene, innerte Versionen im Kaliber 93mm (SR-T1) und 70mm (SR-T2) für Ausbildungszwecke verfügbar.

Innerte Trainingsgranate SR-T1 (AirTronic USA LLC )

Im Einsatz

Überaus interessant ist die Bewertung der PSRL-1 durch ukrainische Kräfte, welche den direkten Vergleich hatten. Dem Autor war es möglich mit einem Nutzer über das Thema zu sprechen. Die Resonanz viel wenig positiv aus. Da initial keine Optiken mit den Waffen geliefert wurden, war die nicht vorhandene Möglichkeit der Montage einer PGO-7 Optik ein deutlicher Kritikpunkt. Des Weiteren wurde die enge Toleranz des Werferrohres bemängelt. Nach dem Verschuss von mehreren Granaten sei durch die Kombination von Hitzeausdehnung und Verschmutzung das Laden der nächsten Granate nicht mehr möglich gewesen. Bereits nach fünf Schuss soll sich ein deutlicher, negativer Einfluss durch die Hitze gezeigt haben. Auch wurde der Sitz der Granate und die Positionierung des Schlagbolzens kritisiert, da dies häufig dazu führte, dass die Zündkapsel der Ausstoßladung nicht getroffen wurde.

Angehörige der ukrainischen Nationalgarde mit der PSRL-1 und montierter Optik (Arsen Avakov/ Yulia Babych)

Fazit

Aufsehen erregte die bereits erwähnte Lieferung von etwa 100 Systemen an die Ukraine im Sommer 2017. Seitdem sollen weitere PSRL-1 geliefert worden sein. Auch Peru soll sich unter den Nutzern befinden. Gesichert ist zudem die Lieferung von Werfern an die Philippinen, welche diese im Kampf gegen lokale, muslimische Terrorzellen einsetzen. Das weitere Schicksal des Precision Shoulder-Fired Rocket Launcher ist schwer vorherzusagen. Bei einem Systempreis von um die 6000$ ist der Werfer sicherlich attraktiv (wenn auch nicht überragend preiswerter), vor allem wenn Munition entweder vorhanden oder leicht zu beschaffen ist. Dennoche ist es fraglich, ob die Möglichkeit zweifelsohne fähigkeitssteigernde Optiken zu montieren die Beschaffung für eine Vielzahl an Kunden rechtfertigt, insbesondere im Lichte der oben erwähnten Einsatzerfahrungen.

Quellen:

– Herstellerprospekt

– Interview mit einer vertraulichen Quelle aus der ukrainischen Nationalgarde

– Pressemitteilung des Azov Freiwilligenbattalion vom 22.07.2017

 

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